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Gebrauchtwagen prüfen

Rost am Gebrauchtwagen: Erkennen und bewerten

Rostblasen und sichtbare Schweißstellen sind beim Gebrauchtwagenkauf Warnzeichen. Eine Blase unter dem Lack weist auf Korrosion unter der Beschichtung hin. Von außen lässt sich nicht sicher erkennen, wie weit der Rost ins Blech reicht. Eine Schweißnaht allein belegt weder eine schlechte Reparatur noch einen Unfallschaden.

Prüfen Sie, wo der Rost sitzt und wie stark das Blech angegriffen ist. Rost an Schwellern, am Fahrzeugboden oder an anderen tragenden Teilen ist kritischer als oberflächlicher Rost an nicht tragenden Karosserieteilen. Bei Rostblasen oder auffälligen Schweißarbeiten sollte eine Fachperson das Auto vor dem Kauf untersuchen. Das gilt auch bei frischem Unterbodenschutz.

Rostblasen richtig einschätzen

Eine Rostblase entsteht, wenn sich unter dem Lack Korrosion entwickelt und die Beschichtung anhebt. Auch kleine Erhebungen sind deshalb ein Warnsignal. Ihre Größe verrät nicht zuverlässig, wie weit der Rost ins Blech vorgedrungen ist. Aus einer einzelnen Blase lässt sich auch nicht sicher ableiten, dass das Blech bereits durchgerostet ist.

Weitere Anzeichen sind abplatzender Lack, braune Ränder an Kanten und tiefe Rostnarben. Achten Sie auch auf Stellen, an denen sich das Blech verformt. Untersuchen Sie Falze und Überlappungen besonders gründlich, etwa an Türkanten und Radläufen. Dort können Wasser und Schmutz in schmale Bereiche gelangen, die von außen schlecht einsehbar sind.

Die Tabelle dient nur der ersten Orientierung und ersetzt keine Prüfung des Bauteils:

Sichtbarer Befund Einordnung
Leichter Flugrost Kann oberflächlich sein; Lage und Zustand des Bauteils bleiben entscheidend.
Festgesetzter Oberflächenrost Nicht automatisch ein struktureller Schaden, aber genauer prüfen lassen, wenn die Stelle schwer zugänglich ist.
Tiefe Rostnarben oder sichtbarer Materialverlust Hinweis auf fortgeschrittene Korrosion und mögliche Materialschwächung.
Durchrostung oder verformtes Blech Kritisch, besonders an tragenden oder sicherheitsrelevanten Teilen.

Klopfen oder kratzen Sie nicht selbst mit einem Werkzeug an verdächtigen Stellen herum. Eine Fachperson kann das Blech gezielt untersuchen und beurteilen, ob die Korrosion die Funktion des Bauteils beeinträchtigt.

Roststellen am Gebrauchtwagen prüfen

Besichtigen Sie das Auto bei Tageslicht. Gehen Sie einmal um das Fahrzeug und vergleichen Sie rechte und linke Seite. Unterschiede bei Lackfarbe, Lackstruktur oder Spaltmaßen können auf frühere Arbeiten hinweisen, belegen aber allein noch keinen Schaden.

Sehen Sie sich die Unterseiten von Türen, Türfalze, Radläufe, Schweller und Radhäuser genau an. Öffnen Sie auch den Kofferraum und heben Sie, soweit ohne Werkzeug möglich, die Bodenabdeckung an. Rost in der Reserveradmulde oder am Kofferraumboden fällt sonst leicht nicht auf. Im Motorraum verdienen die Übergänge zwischen Seitenwänden und Kotflügeln einen Blick.

Der Fahrzeugboden und der Unterboden lassen sich ohne Hebebühne nur eingeschränkt beurteilen. Kriechen Sie nicht unter ein ungesichertes Fahrzeug. Wenn Sie dort Rost vermuten oder kaum etwas erkennen können, lassen Sie den Wagen auf einer Hebebühne prüfen.

Schweißstellen beurteilen

Sichtbare Schweißpunkte, Nähte oder Schleifspuren zeigen, dass an der Karosserie gearbeitet worden sein könnte. Weitere Hinweise sind unregelmäßige Dichtmasse, Wellen im Blech oder ein Unterbodenschutz, der nur stellenweise frisch aufgetragen wirkt. Vergleichen Sie die Stelle mit der gegenüberliegenden Fahrzeugseite und mit angrenzenden Bauteilen.

Diese Merkmale geben Hinweise, zeigen aber nicht sicher, ob die Reparatur fachgerecht war. Auch eine fachgerechte Reparatur kann Schweißspuren hinterlassen. Umgekehrt verdeckt ein gleichmäßiger Lack oder Unterbodenschutz nicht zwangsläufig gut ausgeführte Arbeiten. Fragen Sie nach Rechnungen und Fotos der Reparatur. Lassen Sie sich außerdem die bearbeiteten Bereiche beschreiben. Eine Fachperson kann die Ausführung und den Zustand des Blechs besser beurteilen als eine Sichtprüfung beim Besichtigungstermin.

Prüfen Sie frischen oder auffällig ungleichmäßigen Unterbodenschutz besonders genau. Er kann ältere Schäden verdecken und den Blick auf das darunterliegende Blech erschweren. Ein frisch beschichteter Bereich ist daher kein Beleg für einen rostfreien Unterboden.

Wann Sie den Kauf aufschieben

Oberflächlicher Rost an einem nicht tragenden Bereich ist anders zu bewerten als Materialverlust an Schweller, Fahrzeugboden oder Fahrwerksaufnahme. Finden Sie an solchen Stellen Blasen oder abblätternden Lack, lassen Sie das Auto vor dem Kauf unabhängig prüfen. Bei Schweißspuren gilt dieselbe Empfehlung. Klären Sie dabei, welche Reparaturen nötig sind.

Eine Hauptuntersuchung (HU) ersetzt diese gezielte Kaufprüfung nicht. Bei der HU wird geprüft, ob das Auto nach den geltenden Vorgaben verkehrssicher ist. Sie beantwortet nicht automatisch, wie tief eine bestimmte Rostblase reicht oder ob eine frühere Karosseriereparatur fachgerecht ausgeführt wurde. Auch ein gültiger Prüfbericht sagt daher nicht allein aus, dass der Wagen frei von versteckter Korrosion ist.

Wenn der Verkäufer eine unabhängige Prüfung ablehnt, bleibt der Zustand der betroffenen Bereiche ungeklärt. Entscheiden Sie erst, wenn Sie ihn kennen. Rost kann von einem Schönheitsfehler bis zu einem Totalschaden reichen.

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