Ein Gebrauchtwagen kostet mehrere tausend Euro und soll Sie über Jahre begleiten. Beim Kauf drohen manipulierte Tachostände, versteckte Unfallschäden und gefälschte Papiere. Wer unvorbereitet zur Besichtigung fährt, übersieht Mängel oder gerät an unseriöse Verkäufer.
Gehen Sie den Kauf in Ruhe an: Besichtigen Sie das Auto gründlich, machen Sie eine ausführliche Probefahrt und prüfen Sie die Unterlagen. Lassen Sie das Auto zusätzlich in einer unabhängigen Werkstatt checken. So finden Sie ein solides Auto und vermeiden Fehlkäufe.
Budget und Fahrzeugtyp klären
Klären Sie vor der Suche, welches Auto zu Ihnen passt und wie viel Sie ausgeben wollen. Zum Kaufpreis kommen Versicherung, Kfz-Steuer, Kraftstoff, Wartung und Verschleißteile wie Reifen oder Bremsen hinzu. Planen Sie außerdem eine Reserve für unerwartete Reparaturen ein.
Über sechs Millionen Gebrauchtwagen wechseln in Deutschland jedes Jahr den Besitzer. Der Markt ist damit um ein Vielfaches größer als der Neuwagenmarkt, und die Auswahl entsprechend breit. Den größten Anteil am Gebrauchtwagenmarkt hat der freie Handel, danach kommen Markenhandel und Privatmarkt. Beim Händler zahlen Sie in der Regel mehr, bekommen dafür aber einen Ansprechpartner und eine Absicherung. Beim Privatkauf ist der Preis oft niedriger, aber Sie tragen mehr Risiko. Informieren Sie sich vorab über die Unterschiede zwischen Privatkauf, Händlerkauf und Kauf im Ausland, bevor Sie sich festlegen. Auch der Zeitpunkt spielt eine Rolle: Auswahl und Preise schwanken im Jahresverlauf.
Worauf Sie bei der Besichtigung achten
Planen Sie für die Besichtigung mindestens eine Stunde ein und nehmen Sie eine gedruckte Checkliste mit. Der ADAC stellt eine solche Checkliste kostenlos zum Download bereit. Sie hilft Ihnen, systematisch vorzugehen und nichts zu übersehen, auch wenn der Verkäufer drängt.
Besichtigen Sie das Auto bei Tageslicht und achten Sie auf gleichmäßige Spaltmaße an Türen, Motorhaube und Kofferraum. Weichen die Spaltmaße voneinander ab, deutet das auf einen Unfall hin. Farbe und Lackstruktur sollten an allen Teilen übereinstimmen. Prüfen Sie die Reifen auf gleichmäßigen Verschleiß, denn ein ungleichmäßiges Profil kann auf Probleme mit der Achsgeometrie hindeuten. Achten Sie außerdem auf Rost an Radläufen, Schwellern und am Unterboden.
Im Innenraum zeigen stark abgenutzte Pedale, ein durchgesessenes Lenkrad oder ein zerkratzter Schaltknauf, wie viel das Auto tatsächlich gelaufen ist. Vergleichen Sie den Tachostand mit dem Scheckheft und den Verschleißspuren. Ein manipulierter Tacho ist einer der häufigsten Tricks beim Gebrauchtwagenkauf. Öffnen Sie die Motorhaube und prüfen Sie auf Ölspuren und ungewöhnlichen Schmutz. Kontrollieren Sie auch den Zustand von Öl und Kühlmittel. Testen Sie alle Lichter, Blinker, Scheibenwischer und die Innenbeleuchtung.
Nehmen Sie sich Zeit und lassen Sie sich nicht unter Druck setzen. Ein seriöser Verkäufer beantwortet Fragen geduldig. Wer Sie hetzt oder ablenkt, hat oft etwas zu verbergen.
So nutzen Sie die Probefahrt
Eine Probefahrt gehört zu einem gründlichen Gebrauchtwagenkauf. Sie zeigt, ob das Auto in Bewegung funktioniert und ob die beschriebenen Eigenschaften stimmen. Planen Sie eine Route, die Stadtverkehr, Landstraße und wenn möglich ein Stück Autobahn umfasst. Nur so erreicht der Motor Betriebstemperatur und Sie können das Fahrverhalten bei verschiedenen Geschwindigkeiten prüfen.
Starten Sie den Motor, wenn er kalt ist. Er sollte sofort anspringen und gleichmäßig laufen. Achten Sie dabei auf Klopfen, Rasseln oder andere ungewöhnliche Geräusche. Schalten Sie alle Gänge durch, bei einem Schaltwagen auch den Rückwärtsgang, und testen Sie Kupplung, Bremsen und Lenkung. Das Auto sollte geradeaus fahren, ohne zur Seite zu ziehen, und beim Bremsen nicht vibrieren.
Behalten Sie während der Fahrt die Anzeigen im Blick, denn wenn eine Warnleuchte aufleuchtet oder die Temperatur ungewöhnlich steigt, stimmt etwas nicht. Testen Sie außerdem alle elektrischen Funktionen: Fensterheber, Außenspiegel, Klimaanlage, Radio und Sitzheizung, falls vorhanden. Ein defektes Bauteil muss kein Ausschlusskriterium sein, aber Sie können damit den Preis drücken.
Fahrzeugpapiere prüfen
Bitten Sie vor der Besichtigung um alle Unterlagen und prüfen Sie sie in Ruhe, denn fehlende oder gefälschte Papiere sind ein ernstes Warnsignal. Dazu gehören die Zulassungsbescheinigung Teil I, umgangssprachlich Fahrzeugschein, und Teil II, der Fahrzeugbrief. Der Schein enthält die technischen Daten, der Brief weist den Eigentümer aus.
Vergleichen Sie die Fahrgestellnummer im Brief mit der im Fahrzeug und im Schein. Die Nummer muss überall übereinstimmen. Prüfen Sie außerdem den Bericht der letzten Hauptuntersuchung, also der TÜV- oder Dekra-Prüfung, sowie das Scheckheft. Ein lückenlos gepflegtes Scheckheft zeigt, dass das Auto regelmäßig gewartet wurde. Fehlen Einträge oder wirken sie nachträglich ergänzt, dann werden Sie misstrauisch.
Nehmen Sie sich Zeit für die Papiere und lassen Sie sich nicht drängen. Wirkt ein Dokument gefälscht oder passt etwas nicht zusammen, brechen Sie den Kauf ab. Es gibt genug andere Fahrzeuge.
Fragen an den Verkäufer
Stellen Sie gezielte Fragen und hören Sie genau zu, wie der Verkäufer antwortet. Ausweichende oder widersprüchliche Antworten sind ein Warnsignal. Gute Fragen sind:
- Wie viele Vorbesitzer hatte das Fahrzeug?
- Warum verkaufen Sie das Auto?
- Gab es einen Unfallschaden, auch wenn er repariert wurde?
- Liegt das Scheckheft vollständig vor und wurden alle Inspektionen durchgeführt?
- Wurden Rückrufe des Herstellers erledigt?
- Gibt es bekannte Mängel oder Geräusche?
- Wurde das Fahrzeug im Alltag, im Gewerbe oder als Langstreckenfahrzeug genutzt?
Bitten Sie bei wichtigen Aussagen um Belege, etwa Rechnungen von Werkstattarbeiten. Ein seriöser Verkäufer hat nichts dagegen. Wer keine Fragen beantworten will oder gereizt reagiert, gibt Ihnen einen guten Grund, den Kauf abzubrechen.
Wann Sie dem Bauchgefühl vertrauen
Das Bauchgefühl ersetzt keine technische Prüfung, aber es ist ein ernstzunehmender Filter. Wenn Sie bei der Besichtigung ein ungutes Gefühl haben, der Verkäufer drängt oder die Geschichte des Autos nicht schlüssig klingt, sollten Sie gehen. Es gibt immer ein anderes Fahrzeug.
Seien Sie besonders vorsichtig, wenn der Preis deutlich unter dem üblichen Niveau liegt, das Auto anders aussieht als in der Anzeige oder der Verkäufer auf eine schnelle Entscheidung drängt. Solche Situationen führen häufig zu Fehlkäufen. Ein ruhiger, sachlicher Verkäufer, der Fragen offen beantwortet und Ihnen Zeit lässt, ist dagegen ein gutes Zeichen.
Das Auto unabhängig prüfen lassen
Bei älteren Fahrzeugen oder wenn Sie unsicher sind, lohnt sich eine unabhängige Prüfung. Eine Werkstatt Ihres Vertrauens oder der ADAC kann das Auto auf einer Hebebühne untersuchen und Bereiche prüfen, die Sie bei der Besichtigung nicht sehen: Bremsen, Fahrwerk, Auspuff, Unfallschäden und den Fehlerspeicher der Elektronik.
Diese Prüfung kostet Geld, kann aber teure Überraschungen verhindern. Fragen Sie den Verkäufer vorab, ob eine unabhängige Werkstatt das Auto prüfen darf. Ein seriöser Verkäufer hat damit kein Problem. Wer die Prüfung ablehnt, macht sich verdächtig. Vereinbaren Sie die Prüfung, bevor Sie den Kaufvertrag unterschreiben, und lassen Sie sich das Ergebnis schriftlich geben.
Kaufvertrag, Übergabe und Zulassung
Erst wenn alle Prüfungen abgeschlossen sind, sollten Sie den Kaufvertrag unterschreiben. Halten Sie darin alle wichtigen Angaben fest: Fahrzeugdaten, Kilometerstand, Kaufpreis, Datum und den vereinbarten Zustand. Nehmen Sie sich Zeit, den Vertrag durchzulesen. Unterschreiben Sie nichts, was Sie nicht verstehen.
Bei der Übergabe erhalten Sie die Schlüssel, die Fahrzeugpapiere und das Kennzeichen, sofern es zum Auto gehört. Prüfen Sie das Fahrzeug bei der Übergabe noch einmal kurz und notieren Sie den Kilometerstand. Danach kümmern Sie sich um die Versicherung und die Zulassung. Für die Anmeldung benötigen Sie eine Bestätigung Ihrer Versicherung, die elektronische Versicherungsbestätigung. Klären Sie diese Schritte am besten direkt nach dem Kauf, damit Sie das Auto bald nutzen können.