Bei der Besichtigung eines Gebrauchtwagens prüfen Sie Rückfahrkamera, Parksensoren und Fahrassistenzsysteme beim Rangieren und bei langsamer Fahrt. Ein kurzer Test zeigt jedoch nicht, ob alle Sensoren korrekt eingestellt sind.
Lassen Sie sich die Ausstattung des Fahrzeugs zeigen und testen Sie Kamera und Sensoren im Stand sowie bei langsamer Fahrt. Fragen Sie nach einem Werkstattnachweis, wenn das Auto einen Unfall hatte, der Stoßfänger repariert oder die Scheibe getauscht wurde.
Ausstattung und Bedienung klären
Ausstattung und Bedienung unterscheiden sich je nach Modell, Baujahr und Ausführung. Bitten Sie den Verkäufer, die vorhandenen Funktionen einzuschalten und die Anzeigen im Cockpit zu erklären. Vergleichen Sie die Bedienung bei Bedarf mit der Anleitung des Fahrzeugs, um zu erkennen, ob eine Funktion fehlt, ausgeschaltet ist oder unter bestimmten Bedingungen arbeitet.
Sehen Sie sich Kameralinse und sichtbare Sensoren an. Achten Sie auf Risse und Kratzer. Prüfen Sie auch, ob Schmutz oder Lackspuren vorhanden sind und ob Bereiche rund um Stoßfänger oder Windschutzscheibe beschädigt sind. Die Oberfläche muss für den Test sauber sein. Das zeigt aber nicht, ob der Sensor richtig ausgerichtet ist.
Rückfahrkamera im Stand prüfen
Legen Sie bei stehendem Fahrzeug den Rückwärtsgang ein und prüfen Sie, ob das Bild zuverlässig erscheint. Kontrollieren Sie, ob der Bereich hinter dem Auto erkennbar ist. Achten Sie außerdem darauf, ob das Bild flackert oder aussetzt und ob es milchig wirkt. Falls die Kamera Hilfslinien einblendet, prüfen Sie, ob sie angezeigt werden. Dynamische Linien sollten sich beim Lenken plausibel verändern.
Verschmutzung oder Wassertropfen auf der Linse verschlechtern das Bild. Reinigen Sie die Linse vorsichtig und testen Sie erneut. Wenn das Bild unscharf bleibt oder ganz fehlt, kann die Ursache an der Kamera oder der Verkabelung liegen. Auch das Display und die Fahrzeugelektronik kommen infrage.
Probieren Sie die Kamera anschließend auf ebenem, privatem Gelände aus. Rollen Sie sehr langsam auf eine gut sichtbare Markierung oder ein weiches, niedriges Hindernis zu und nutzen Sie dabei auch Spiegel und direkten Blick. Die Kamera zeigt nicht zwingend den gesamten Bereich hinter dem Auto und ersetzt keine Rundumsicht.
Parksensoren vorsichtig testen
Testen Sie Parksensoren ebenfalls auf einem freien, ebenen Platz: Wählen Sie ein gut sichtbares, weiches Hindernis und fahren Sie nur im Schritttempo darauf zu. Beobachten Sie, ob Anzeige oder Warnton mit kleiner werdendem Abstand reagieren. Prüfen Sie, sofern das Fahrzeug es erlaubt, Front- und Heckbereich getrennt. Stoppen Sie sofort, wenn die Warnung ausbleibt oder die Situation unübersichtlich wird.
Eine Begleitperson kann die Anzeige beobachten, sollte sich aber nicht direkt vor oder hinter dem rollenden Auto aufhalten. Verlassen Sie sich nicht allein auf den Warnton: Die Erkennung hängt von Fahrzeug und Hindernis ab. Objekte können übersehen werden, wenn sie klein oder niedrig sind oder sich schlecht erkennen lassen.
Fehlalarme entstehen mitunter durch Schmutz, Eis oder Schnee auf den Sensoren. Auch eine Anhängerkupplung, ein Fahrradträger oder andere Anbauteile können das Erkennungsfeld beeinflussen. Bleibt das Piepen trotz sauberer Sensoren bestehen, lassen Sie die Ursache prüfen.
Fahrassistenzsysteme sicher prüfen
Lassen Sie sich vor der Probefahrt erklären, wie Spurhalteassistent, Abstandsregeltempomat und Totwinkelwarnung eingeschaltet werden und woran Sie ihre Betriebsbereitschaft erkennen. Achten Sie auf einer normalen Strecke darauf, ob die Anzeigen verständlich sind und die Warnungen nachvollziehbar erfolgen. Lesen Sie bei unklarer Bedienung die Fahrzeuganleitung.
Provozieren Sie keinen Eingriff des Notbremsassistenten. Fahren Sie auch nicht absichtlich über Fahrbahnlinien oder in eine Beinahe-Kollision. Solche Versuche sind gefährlich und ergeben keinen verlässlichen Funktionstest. Assistenzsysteme haben Einsatzgrenzen, etwa bei uneindeutigen Fahrbahnmarkierungen oder bestimmten Hindernissen. Bleiben Sie aufmerksam und steuern Sie das Fahrzeug jederzeit selbst.
Fehler und Warnungen prüfen
| Beobachtung | Was Sie prüfen sollten |
|---|---|
| Das Kamerabild bleibt aus, flackert oder erscheint verspätet. | Testen Sie nach einer vorsichtigen Reinigung erneut. Bleibt der Fehler, lassen Sie Kamera, Verkabelung und Display prüfen. |
| Das Bild wirkt milchig oder verschwommen. | Kontrollieren Sie die Linse auf Schmutz, Wasser und Schäden. |
| Parksensoren warnen ohne sichtbares Hindernis. | Prüfen Sie Sensorflächen und Anbauteile wie Anhängerkupplung oder Träger. Hält die Warnung an, ist eine Diagnose sinnvoll. |
| Ein Bereich reagiert beim Rangieren nicht. | Kontrollieren Sie, ob die Funktion aktiviert und der Sensor sauber ist. Bleibt die Auffälligkeit, brechen Sie weitere Versuche ab und lassen Sie das Fahrzeug prüfen. |
| Ein Assistenzsystem reagiert unerwartet. | Klären Sie anhand der Anleitung, welche Bedingungen und Einstellungen gelten. Fragen Sie bei wiederholten Auffälligkeiten nach einer Werkstattprüfung. |
Eine fehlende Warnmeldung beweist nicht, dass Kamera und Sensoren einwandfrei arbeiten. Sensoren können nach einem Parkrempler oder einer Reparatur verstellt sein, ohne dass das Fahrzeug einen Fehler anzeigt. Beim Auslesen des Fehlerspeichers sehen Sie, welche Fehler gespeichert sind. Das ersetzt keinen vollständigen Funktionstest.
Reparaturen und Kalibrierung erfragen
Fragen Sie gezielt nach Unfällen und Parkremplern. Erkundigen Sie sich auch nach Arbeiten am Stoßfänger und einem Austausch der Windschutzscheibe. Bei solchen Reparaturen können Kamera oder Radarsensor ausgebaut, ersetzt oder neu eingestellt worden sein. Bitten Sie um Rechnungen oder Nachweise zur Kalibrierung. Welche Prüfung nötig ist, hängt vom Fahrzeug und vom jeweiligen Sensor ab.
Wenn die Vorgeschichte unklar bleibt oder ein Test auffällig ist, lassen Sie den Wagen vor dem Kauf unabhängig prüfen. Eine Werkstatt oder ein Anbieter für einen Gebrauchtwagencheck kann den Fehlerspeicher auslesen und die betroffenen Bauteile untersuchen. Das ist besonders sinnvoll, wenn sicherheitsrelevante Assistenzsysteme nicht nachvollziehbar funktionieren.