Geradeauslauf und Lenkung bei der Probefahrt prüfen

Bei der Probefahrt entscheidet sich, ob ein Gebrauchtwagen zuverlässig ist oder zur teuren Baustelle wird. Geradeauslauf und Lenkung verraten viel über den Zustand von Fahrwerk und Reifen. Mit wenigen Tests auf ruhiger Strecke erkennen Sie die meisten Auffälligkeiten selbst, ohne Fachwissen oder Werkzeug.

Geradeauslauf prüfen

Der Geradeauslauf beschreibt, ob ein Auto ohne Lenkbewegung geradeaus fährt. Um ihn zu testen, suchen Sie sich eine möglichst ebene, gerade und wenig befahrene Straße. Fahren Sie mit gleichmäßiger Geschwindigkeit und lassen Sie das Lenkrad für zwei bis drei Sekunden los, während Ihre Hände bereit bleiben, um jederzeit einzugreifen. Zieht das Auto dabei spürbar nach links oder rechts, deutet das auf ein Problem hin.

Bevor Sie daraus Schlüsse ziehen, sollten Sie die Rahmenbedingungen prüfen. Straßen sind zur Entwässerung meist leicht gewölbt, sodass ein Auto ohne Gegenlenken langsam zur Fahrbahnkante zieht. Fahren Sie deshalb dieselbe Strecke in beide Richtungen. Zieht das Auto in beiden Fällen zur gleichen Seite, liegt das Problem am Fahrzeug. Zieht es immer zur jeweiligen Fahrbahnkante, ist die Straßenwölbung die Ursache. Auch ein kräftiger Seitenwind beeinflusst den Geradeauslauf. Ein Unterschied im Reifendruck zwischen den Vorderrädern führt ebenfalls zu einem einseitigen Zug.

Lenkverhalten prüfen

Neben dem Geradeauslauf sollten Sie das Lenkverhalten selbst beurteilen. Achten Sie zuerst auf das Spiel im Lenkrad: Drehen Sie es bei stehendem Auto leicht hin und her. Bewegt sich das Lenkrad spürbar, ohne dass die Vorderräder reagieren, ist das Spiel zu groß. Das deutet auf verschlissene Lenkungsteile oder ausgeschlagene Gelenke hin.

Während der Fahrt sollten Sie prüfen, ob das Lenkrad in der Geradeausstellung mittig steht. Ist es verdreht, obwohl das Auto geradeaus fährt, stimmt die Spureinstellung nicht. Lenken Sie außerdem in beide Richtungen bis zum Anschlag und achten Sie auf Geräusche. Knacken, Knarzen oder Schleifen beim Einlenken weist auf verschlissene Gelenke, defekte Antriebswellen oder Probleme im Lenksystem hin. Auch ein surrendes oder pfeifendes Geräusch beim Lenken bei niedriger Geschwindigkeit kann auf einen Defekt der Servopumpe hindeuten.

Prüfen Sie auch die Rückstellung. Nach einer Kurve sollte das Lenkrad von selbst in die Geradeausstellung zurückkehren. Bleibt es in Schräglage stehen oder müssen Sie es aktiv zurückdrehen, deutet das auf eine falsche Spureinstellung oder verschlissene Fahrwerkskomponenten hin.

Auffälligkeiten und Ursachen

Wenn Sie während der Probefahrt eine der folgenden Beobachtungen machen, sollten Sie genauer hinschauen:

  • Das Auto zieht trotz korrektem Reifendruck und ebener Straße zur Seite. Häufige Ursachen sind eine falsche Spureinstellung, unterschiedlich abgefahrene Reifen oder verschlissene Querlenkerbuchsen.
  • Das Lenkrad vibriert bei bestimmten Geschwindigkeiten. Das deutet meist auf Unwucht an den Vorderrädern hin, kann aber auch auf verzogene Bremsscheiben oder ausgeschlagene Radlager zurückgehen.
  • Klopfende Geräusche beim Überfahren von Unebenheiten. Hier sind oft Stoßdämpfer, Stabilisatorlager oder Koppelstangen verschlissen.
  • Das Auto schwimmt oder fühlt sich unruhig an. Das kann auf schwache Stoßdämpfer hindeuten, die das Fahrzeug nicht mehr ausreichend an der Straße halten.

Diese Beobachtungen bedeuten nicht automatisch, dass das Auto unbrauchbar ist. Manche Ursachen, wie eine falsche Spureinstellung oder Unwucht, lassen sich mit überschaubarem Aufwand beheben. Andere, wie verschlissene Stoßdämpfer oder ausgeschlagene Gelenke, können teuer werden. Nutzen Sie die Auffälligkeiten als Verhandlungsgrundlage oder lassen Sie das Auto vor dem Kauf in einer Werkstatt begutachten.

Testbedingungen

Damit Ihre Beobachtungen aussagekräftig sind, sollten Sie die Probefahrt unter möglichst neutralen Bedingungen durchführen. Prüfen Sie vor der Fahrt den Reifendruck, denn ein zu niedriger Druck an einem Vorderrad erzeugt einen einseitigen Zug, der nichts mit dem Fahrwerk zu tun hat. Wählen Sie eine Strecke mit unterschiedlichen Belägen: eine ebene Landstraße für den Geradeauslauf, einige Kurven für das Lenkverhalten und eine holprige Passage, um Geräusche aus dem Fahrwerk zu provozieren.

Fahren Sie die Strecke außerdem mit verschiedenen Geschwindigkeiten. Manche Probleme zeigen sich erst bei höherem Tempo, etwa Vibrationen im Lenkrad. Und nehmen Sie sich Zeit: Eine Probefahrt von zehn Minuten um den Block reicht nicht aus, um den Zustand von Lenkung und Fahrwerk zuverlässig zu beurteilen.