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Das richtige Auto für die Langstrecke finden

Wer regelmäßig lange Autobahnstrecken fährt, braucht ein anderes Auto als für die Stadt. Nach fünf Stunden am Steuer entscheiden bequeme Sitze, ein ruhiger Innenraum und ein souveränes Fahrwerk, ob man entspannt ankommt oder erschöpft aussteigt. Verbrauch und Reichweite bestimmen Kosten und Zahl der Pausen.

Kein einzelnes Merkmal macht ein Auto zum guten Reiseauto. Entscheidend ist die Kombination aus Sitzkomfort, Geräuschdämmung, Fahrstabilität, Fahrleistungen und einer zum eigenen Reiseprofil passenden Reichweite. Genau diese Kriterien prüft der ADAC bei Langstreckentests.

Komfort beginnt an den Sitzen

Prüfen Sie bei der Probefahrt zuerst die Sitzposition. Ein guter Sitz lässt sich in Höhe, Neigung und Abstand so einstellen, dass Sie auch nach mehreren Stunden keine Schmerzen in Rücken oder Beinen bekommen. Achten Sie darauf, ob die Sitzfläche lang genug ist, um die Oberschenkel zu stützen, und ob die Seitenwangen genug Halt in Kurven geben. Der ADAC bewertet bei seinen Tests neben der Verstellbarkeit auch den Sitzkomfort und die Sitzposition auf einer einheitlichen Route mit unterschiedlichen Straßenzuständen.

Das Fahrwerk entscheidet darüber, wie das Auto Unebenheiten verarbeitet. Auf der Probefahrt sollten Sie nicht nur glatte Autobahnabschnitte fahren, sondern auch Strecken mit Querfugen, welligem Asphalt und Spurrillen einplanen. Ein straff abgestimmtes Fahrwerk ist nicht automatisch ungeeignet, und ein adaptives Fahrwerk ist nicht automatisch die bessere Wahl. In einem ADAC-Vergleich verbesserten adaptive Fahrwerke den Komfort je nach Fahrzeug und Einstellung unterschiedlich. Beim Ausweichtest ergaben sich jedoch keine höheren erreichbaren Geschwindigkeiten als mit dem Standardfahrwerk. Probieren Sie die angebotenen Fahrwerksvarianten deshalb selbst aus, statt sich auf die teurere Option zu verlassen.

Geräuschpegel bei Autobahntempo prüfen

Der Geräuschpegel im Innenraum bestimmt, wie entspannt Sie reisen. Der ADAC misst den Schallpegel bei 130 km/h in der Fahrzeugmitte auf Kopfhöhe und mittelt mehrere Messungen. Zusätzlich bewerten die Tester subjektiv, wie sich Wind-, Fahr- und Motorgeräusche anhören. Ein einzelner Dezibelwert sagt allerdings nicht, welche Geräuschquelle stört. Ein Auto kann bei der Messung gut abschneiden, aber ein störendes Pfeifen am Spiegel oder ein dröhnendes Abrollgeräusch auf bestimmten Belägen aufweisen.

Achten Sie bei der Probefahrt bei Reisetempo darauf, ob Sie sich mit Beifahrern normal unterhalten können und ob Musik ohne lautes Aufdrehen verständlich bleibt. Achten Sie auch auf Vibrationen, die über Lenkrad oder Sitz ankommen. Die Reifen spielen dabei eine wichtige Rolle. Das EU-Reifenlabel weist den externen Geräuschpegel aus, also den Lärm, der außen entsteht. Dieser Wert ist nicht mit dem Innenraum-Geräuschpegel gleichzusetzen, den der ADAC misst. Für die Einschätzung der Lautstärke im Auto hilft das Label nur grob.

Verbrauch hängt von Tempo und Beladung ab

Die Geschwindigkeit bestimmt den Verbrauch auf der Autobahn stark. Das Umweltbundesamt nennt als Beispiel, dass ein Auto bei 100 statt 120 km/h auf gleicher Strecke rund 15 Prozent Kraftstoff beziehungsweise Strom spart. Wer häufig lange Strecken fährt, sollte diesen Zusammenhang bei der Modellwahl berücksichtigen. Ein sparsames Auto mit hohem Tempo verbraucht oft mehr als ein durstigeres Modell, das gemächlich gefahren wird.

Auch die Beladung verändert den Verbrauch. Dachaufbauten erhöhen den Luftwiderstand deutlich. Für einen Dachgepäckträger nennt das Umweltbundesamt bei 130 km/h einen möglichen Mehrverbrauch von bis zu 25 Prozent. Wenn Sie regelmäßig mit Dachbox oder Fahrradträger reisen, sollten Sie diesen Aufschlag in Ihre Verbrauchsplanung einrechnen. Der Reifendruck ist ein weiterer Faktor, der oft übersehen wird. Laut ADAC kann ein Minderdruck von 0,5 bar je nach Basisverbrauch etwa 0,2 bis 0,4 Liter pro 100 Kilometer zusätzlichen Kraftstoffverbrauch bedeuten. Vor einer voll beladenen Reise sollten Sie den vom Hersteller vorgegebenen Reifendruck für die Beladung prüfen, nicht den Wert für den Normalzustand.

In Deutschland gilt auf Autobahnen ohne ausgeschilderte Höchstgeschwindigkeit die Richtgeschwindigkeit von 130 km/h. Sie ist eine Empfehlung unter günstigen Bedingungen, kein Tempolimit. Wer schneller fährt, muss mit deutlich höherem Verbrauch rechnen, ohne dass die Reisezeit stark sinkt.

Stabilität und Fahreigenschaften getrennt betrachten

Ein Auto für die Langstrecke muss bei hohem Tempo ruhig und berechenbar in der Spur liegen. Der ADAC beurteilt bei den Fahreigenschaften sowohl das Verhalten bei Lenkmanövern als auch die Geradeausstabilität. In den Test fließt ein Ausweichtest ein, bei dem eine vorgegebene Ausweichsituation mit 90 km/h gefahren wird. Dieses Ergebnis zeigt, wie kontrollierbar ein Fahrzeug in einer plötzlichen Situation reagiert. Es ist aber kein direkter Nachweis der Stabilität bei Autobahntempo. Ein Auto, das im Ausweichtest gut abschneidet, kann bei sehr hoher Autobahngeschwindigkeit dennoch nervös wirken, wenn die Lenkung zu direkt anspricht oder das Fahrwerk auf welligen Strecken nachfedert.

Zur Stabilität gehört auch der Zustand der Bereifung. Schon 0,5 bar zu wenig Reifendruck verändert die Fahreigenschaften, etwa durch längere Bremswege oder schlechtere Kurvenlage. Bei besonders hohen Geschwindigkeiten besteht zudem ein Reifenrisiko. Die Druckvorgaben hängen von Fahrzeug und Beladung ab. Sie sollten den Druck nicht eigenmächtig erhöhen, sondern die Werte aus der Bedienungsanleitung oder der Türsäule verwenden.

Reichweite: Verbrenner und Elektroauto unterschiedlich einordnen

Bei einem Verbrenner hängt die Reichweite im Alltag nicht nur am Tankvolumen, sondern am tatsächlichen Verbrauch. Der ADAC setzt in seiner Übersicht zu günstigen Langstreckenautos eine Mindestreichweite von 750 Kilometern ohne Tankstopp an. Das ist ein Auswahlkriterium dieser konkreten Übersicht, keine allgemeingültige Schwelle. Wer ohnehin alle zwei Stunden eine Pause macht, kommt auch mit einem kleineren Tank gut zurecht.

Bei Elektroautos müssen Sie zwei unterschiedliche Szenarien auseinanderhalten. Der ADAC hat 2026 vierzehn elektrische Familienautos bei 0 Grad Celsius auf einer simulierten, 582 Kilometer langen Strecke von München nach Berlin getestet. Die Durchschnittsgeschwindigkeit betrug 111 km/h. Keines der Fahrzeuge schaffte die Strecke ohne Ladestopp. Nur der Audi A6 Avant e-tron und der Smart #5 kamen mit einem auf 20 Minuten begrenzten Ladestopp ans Ziel. Der Audi erreichte in diesem Test 441 Kilometer bis zum notwendigen Ladestopp und lud in 20 Minuten Reichweite für weitere 300 Kilometer nach. Die Testbedingungen umfassten einen Kaltstart ohne Akkuheizung.

Eine andere ADAC-Auswertung berechnet ein Langstreckenmaß aus 90 Prozent der ermittelten Reichweite mit vollem Akku plus der in 20 Minuten nachgeladenen Reichweite. Danach erreicht der Mercedes CLA 250+ EQ im untersuchten Szenario eine höhere Gesamtreichweite als der Porsche Taycan Performance Plus, der auf 981 Kilometer kommt. Der ADAC teilt dieses Maß in Kategorien ein: über 750 Kilometer als voll langstreckentauglich, 600 bis 750 als langstreckentauglich und niedrigere Bereiche als zunehmend eingeschränkt. Die Reichweitenbasis stammt aus dem ADAC Ecotest, die Messung des Schnellladens erfolgte nach Vorkonditionierung der Autos in einer 20 Grad warmen Testhalle.

Diese Ergebnisse widersprechen sich nicht. Der eine Test betrachtet ein kaltes Autobahnszenario mit Kaltstart, der andere kombiniert eine Reichweitenmessung aus einem gemischten Zyklus mit einem standardisierten 20-Minuten-Ladevorgang. Die berechneten Reichweitenwerte sind kein Versprechen, dass das Fahrzeug die errechnete Strecke unter beliebigen realen Autobahnbedingungen ohne relevante Pausen zurücklegt. Wenn Sie ein Elektroauto für die Langstrecke wählen, sollten Sie sich ansehen, wie sich Ladeleistung und Ladekurve bei niedrigen Temperaturen verhalten und ob die Ladeinfrastruktur auf Ihrer üblichen Route dicht genug ist.

Die Probefahrt als Entscheidungsgrundlage

Datenblätter und Testwerte helfen, aber die Entscheidung fällt auf der Probefahrt. Planen Sie dafür eine längere Strecke ein, die Autobahn, Landstraße und Ortsdurchfahrt umfasst. Nehmen Sie sich Zeit, um die Sitzposition einzustellen und zu prüfen, ob Sie sich auch nach einer Stunde noch wohlfühlen. Fahren Sie Abschnitte mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten und achten Sie auf Geräusche, Vibrationen und das Verhalten des Fahrzeugs bei Seitenwind und Überholmanövern. Wenn Sie regelmäßig mit Gepäck oder Anhänger fahren, testen Sie das Auto auch in diesem Zustand.

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