Warum Sie den Kaltstart beim Autokauf testen sollten
Beim Gebrauchtwagenkauf entscheidet die Probefahrt, ob Sie ein zuverlässiges Auto oder eine teure Reparatur kaufen. Am aufschlussreichsten ist der erste Start am Morgen, wenn der Motor kalt ist.
Ein kalter Motor fordert Batterie, Anlasser, Zündung und Einspritzung stärker als ein warmer. Wer selbst startet und genau hinsieht und hinhört, erkennt Schwächen, die ein warmgefahrenes Auto nicht zeigt.
Warum der Kaltstart so viel verrät
Bei einem kalten Motor ist das Öl zähflüssig und muss erst durch den Motor gepumpt werden. Die Batterie muss den Anlasser mit voller Kraft versorgen, und das Kraftstoffgemisch braucht eine andere Zusammensetzung als im warmen Zustand. Jedes Bauteil, das nicht einwandfrei arbeitet, fällt unter diesen Bedingungen deutlicher auf. Ein Anlasser, der nur noch mühsam dreht, eine schwache Batterie, verschlissene Zündkerzen oder eine undichte Einspritzdüse zeigen sich beim Kaltstart. Im warmen Betrieb fallen sie kaum auf.
Der Händler oder private Verkäufer hat das Auto für die Probefahrt meist schon warmgefahren oder zumindest vor kurzem gestartet, und ein warmer Motor springt auch dann noch an, wenn er deutliche Schwächen hat. Deshalb sollten Sie darauf bestehen, das Fahrzeug selbst zu starten, und wenn möglich zu einem Zeitpunkt, an dem der Motor wirklich kalt ist. Bei einem Händler können Sie nachfragen, ob das Auto über Nacht gestanden hat oder ob eine zweite Probefahrt am nächsten Morgen möglich ist.
So testen Sie den Kaltstart richtig
Setzen Sie sich ans Steuer, bevor der Verkäufer den Motor anlässt, und übernehmen Sie den Start selbst. Drehen Sie den Schlüssel oder drücken Sie den Startknopf und beobachten Sie, was passiert. Ein gesunder Motor springt innerhalb von ein bis zwei Sekunden an. Wenn der Anlasser lange orgelt, also mehrere Sekunden dreht, bevor der Motor läuft, stimmt etwas nicht. Das kann an der Batterie liegen oder am Anlasser. Auch die Kraftstoffversorgung oder die Zündung kommen als Ursache infrage.
Achten Sie nach dem Start auf den Leerlauf. Läuft der Motor sofort ruhig und gleichmäßig, ist das ein gutes Zeichen. Schwankt die Drehzahl, droht der Motor fast abzusterben oder läuft unrund. Das deutet auf Probleme mit der Gemischaufbereitung oder den Zündkerzen hin, aber auch die Motorsteuerung kann die Ursache sein. Beobachten Sie den Leerlauf mindestens eine Minute lang, denn manche Unregelmäßigkeiten treten erst auf, wenn der Motor langsam warm wird.
Geräusche und Rauch richtig deuten
Beim Start und in den ersten Minuten danach sollten Sie auf ungewöhnliche Geräusche achten. Ein kurzes, gleichmäßiges Geräusch des Anlassers ist normal. Rasseln, Klappern oder Pfeifen, das nach dem Start anhält, weist auf verschlissene Bauteile hin. Ein metallisches Klappern kann von den Ventilen oder der Steuerkette kommen, ein Pfeifen von einem gerissenen Keilriemen oder einer defekten Nebenaggregat-Lagerung. Solche Geräusche sind ein Grund, den Verkäufer direkt darauf anzusprechen und eine genaue Ursache zu klären.
Auch der Auspuff verrät Ihnen etwas. Beobachten Sie den Bereich am Heck im Rückspiegel oder lassen Sie sich von einer zweiten Person beim Start zusehen. Bläulicher Rauch bedeutet, dass der Motor Öl verbrennt, etwa über die Kolbenringe oder die Ventilschaftdichtungen. Tiefschwarzer Rauch weist auf ein zu fettes Gemisch hin, der Motor bekommt also zu viel Kraftstoff. Ein kurzer weißer oder grauer Rauchstoß bei kaltem Wetter ist dagegen meist harmlos, weil es sich um Kondenswasser im Auspuff handelt. Wenn der Rauch jedoch dauerhaft anhält oder deutlich gefärbt ist, sollten Sie das Fahrzeug nicht ohne weitere Prüfung kaufen.
Kontrollleuchten ernst nehmen
Nach dem Start müssen alle Kontrollleuchten im Cockpit erlöschen. Bleibt eine Leuchte an, ist das ein klares Warnsignal. Die Motorkontrollleuchte weist auf einen Fehler in einem überwachten System hin, etwa in der Motorsteuerung, der Abgasreinigung, der Zündung oder der Einspritzung. Sie leuchtet nicht ohne Grund. Ein Verkäufer, der sie mit einem Achselzucken abtut, sollte Sie misstrauisch machen.
Fragen Sie in diesem Fall nach, ob der Fehlerspeicher ausgelesen wurde und was der letzte Werkstattbefund war. Lassen Sie sich das Ergebnis schriftlich geben oder vereinbaren Sie, dass das Auslesen des Fehlerspeichers vor dem Kauf in einer Werkstatt Ihrer Wahl passiert. Eine dauerhaft leuchtende Motorkontrollleuchte weist auf einen realen Defekt hin, der nach dem Kauf auf Ihre Kosten gehen würde.