Ungleichmäßig abgenutzte Reifen beim Gebrauchtwagenkauf
Ungleichmäßig abgefahrene Reifen sind bei der Besichtigung eines Gebrauchtwagens ein Warnsignal. Sie bedeuten: Die Lauffläche nutzt sich an manchen Stellen stärker ab. Das weist auf Fahrwerksprobleme oder mangelnde Reifenpflege durch den Vorbesitzer hin.
Nicht jede Abweichung ist ein Grund, das Auto abzulehnen. Entscheidend ist die Ursache und was sie für die Preisverhandlung bedeutet.
Ursachen für ungleichmäßigen Reifenverschleiß
Die häufigste Ursache für ungleichmäßigen Verschleiß ist ein zu geringer Luftdruck. Wenn der Reifen dauerhaft zu wenig Druck hat, wölbt sich die Lauffläche nach innen, und die äußeren Schultern tragen mehr Last als die Mitte. Dadurch nutzt sich das Profil an beiden Seiten stärker ab, während die Mitte tief bleibt. Oft wirkt der Reifen dann an den Kanten abgerundet. Diese Ursache ist harmlos, denn sie lässt sich durch korrektes Aufpumpen und einen Reifenwechsel beheben. Sie sagt aber auch etwas über den Umgang des Vorbesitzers mit dem Auto aus: Wer die Reifen nicht regelmäßig kontrolliert, kümmert sich womöglich auch um andere Wartungspunkte nicht sorgfältig.
Ernster wird es, wenn nur eine Seite eines Reifens abgefahren ist. Wenn die Innenseite oder die Außenseite eines Vorderreifens stark abgefahren ist, deutet das auf eine falsche Spur oder einen defekten Stoßdämpfer hin. Eine falsch eingestellte Spur entsteht häufig durch Schlaglöcher oder Bordsteinkanten, kann aber auch auf einen Unfallschaden hindeuten. Ein defekter Stoßdämpfer führt dazu, dass der Reifen beim Fahren stärker auf- und abbewegt wird und dadurch ungleichmäßig abnutzt. Beide Ursachen sollten Sie ernst nehmen, denn sie beeinträchtigen das Fahrverhalten und können Folgekosten verursachen.
Auch ein sogenanntes Sägezahnprofil ist ein Warnsignal. Dabei ist die Profilkante in Fahrtrichtung auf einer Seite scharf, auf der anderen abgerundet. Das entsteht meist durch eine falsche Spur oder durch verschlissene Fahrwerksgelenke. Sie erkennen es, wenn Sie mit der Hand über die Lauffläche streichen: In die eine Richtung fühlt sich der Reifen glatt an, in die andere rau.
So prüfen Sie die Reifen bei der Besichtigung
Nehmen Sie sich bei der Besichtigung Zeit, alle vier Reifen anzusehen. Vergleichen Sie die Reifen einer Achse miteinander und prüfen Sie, ob die Abnutzungsmuster auf beiden Seiten gleich sind. Wenn nur ein Reifen ungleichmäßig abgenutzt ist, liegt das oft an einem einzelnen defekten Bauteil. Wenn beide Reifen einer Achse dasselbe Muster zeigen, ist eher die Achsgeometrie betroffen.
Prüfen Sie außerdem die Profiltiefe an mehreren Stellen. Messen Sie in der Mitte, an der Innenseite und an der Außenseite. Ein Unterschied von mehr als zwei Millimetern zwischen den Messpunkten weist deutlich auf ungleichmäßigen Verschleiß hin. Achten Sie auch auf das Alter der Reifen: Die DOT-Nummer auf der Reifenflanke verrät das Herstellungsdatum. Die letzten vier Ziffern geben Kalenderwoche und Jahr an. Reifen, die älter als sechs Jahre sind, sollten Sie unabhängig vom Profil kritisch betrachten, weil das Gummi mit der Zeit spröde wird.
Achten Sie auch auf den Zustand der Reifen im Verhältnis zur Laufleistung. Ein Auto mit geringer Laufleistung und fast neuen Reifen ist unauffällig. Ein Auto mit geringer Laufleistung und bereits stark abgenutzten Reifen kann auf eine aggressive Fahrweise oder häufige Kurzstrecken hindeuten. Fragen Sie den Verkäufer, wann die Reifen montiert wurden und ob ein Reifenwechsel in der Wartungshistorie dokumentiert ist.
Was die Beobachtung für den Kauf bedeutet
Ungleichmäßiger Reifenverschleiß ist kein automatischer Grund, vom Kauf Abstand zu nehmen. Entscheidend ist die Ursache. Wenn Sie nur zu geringen Luftdruck als Ursache vermuten, weil alle vier Reifen an den Schultern abgenutzt sind, ist das ein Pflegeproblem und kein technischer Defekt. Sie können den Verkäufer darauf ansprechen und den Preis etwas drücken, weil Sie neue Reifen einplanen müssen.
Anders sieht es aus, wenn der Verschleiß auf eine falsche Spur oder defekte Stoßdämpfer hindeutet. Dann sollten Sie das Auto vor dem Kauf in einer Werkstatt prüfen lassen. Eine Achsvermessung kostet nicht viel und gibt Ihnen Klarheit. Stellt die Werkstatt einen Unfallschaden oder einen defekten Stoßdämpfer fest, haben Sie zwei Optionen: Sie verhandeln den Preis deutlich herunter, oder Sie lassen das Auto stehen. Ein Fahrzeug mit Unfallschaden in der Achsaufhängung kann später teure Reparaturen verursachen und das Fahrverhalten dauerhaft beeinträchtigen.
Achten Sie auch darauf, ob der Verkäufer die Reifen kurz vor dem Verkauf gewechselt hat, denn neue Reifen auf einem alten Auto können ein Versuch sein, den ungleichmäßigen Verschleiß zu verbergen. Fragen Sie gezielt nach, ob die Reifen schon vor dem Verkauf montiert waren oder ob sie neu aufgezogen wurden. Wenn der Verkäufer ausweichend antwortet, lassen Sie das Fahrwerk genauer prüfen.