Scheibenwischer und Rückfahrkamera vor dem Kauf testen

Beim Gebrauchtwagenkauf entscheidet die Probefahrt, ob Sie ein zuverlässiges Auto oder eine teure Reparaturquelle erwischen. Scheibenwischer, Rückfahrkamera und Assistenzsysteme prüfen viele Käufer nicht, obwohl sie zeigen, wie sorgfältig der Vorbesitzer das Fahrzeug behandelt hat. Der ADAC empfiehlt, das Fahrzeug vor dem Kauf gründlich zu prüfen und ausgiebig Probe zu fahren. Wer die folgenden Punkte systematisch prüft, findet versteckte Mängel, bevor er unterschreibt.

Warum die Probefahrt entscheidet

Die Probefahrt ist der einzige Moment, in dem Sie das Auto unter realen Bedingungen erleben. Der ADAC empfiehlt, sich dabei Zeit zu lassen und sich nicht vom Verkäufer unter Druck setzen zu lassen. Ein seriöser Verkäufer hat kein Problem damit, wenn Sie zwanzig Minuten fahren und dabei auch Nebenstraßen, Parkplätze und eine Autobahnauffahrt ansteuern. Wenn der Verkäufer drängt oder die Fahrt auf einen kurzen Block begrenzen will, verheimlicht er möglicherweise etwas.

Nehmen Sie sich vor der Fahrt eine Checkliste mit. Notieren Sie sich während der Fahrt jeden Punkt, der Ihnen auffällt, auch Kleinigkeiten. Ein quietschender Wischer oder ein flackerndes Kamerabild wirken harmlos, können aber auf größere Probleme hinweisen. Und Sie haben später ein Argument für die Preisverhandlung in der Hand.

Scheibenwischer und Waschanlage prüfen

Testen Sie die Scheibenwischer am besten bei nasser Scheibe. Sprühen Sie die Scheibe mit der Waschanlage ein und lassen Sie die Wischer auf verschiedenen Stufen laufen. Achten Sie auf drei Dinge: das Wischbild, die Geräusche und die Flüssigkeitsverteilung.

Ein gutes Wischbild ist streifenfrei. Bleiben Schlieren, einzelne Linien oder ein grauer Schleier zurück, sind die Wischerblätter meist verschlissen. Das ist kein Grund, das Auto nicht zu kaufen, aber ein Punkt für die Verhandlung, denn neue Wischerblätter kosten je nach Modell unterschiedlich. Quietschen oder ruckeln die Wischer, kann das an den Blättern liegen, aber auch am Wischergestänge oder am Motor. Lassen Sie die Wischer dann mehrmals über die Scheibe laufen und prüfen Sie, ob das Geräusch gleichmäßig bleibt oder sich verstärkt.

Die Waschdüsen gehören ebenfalls zum Test. Richten Sie den Strahl auf die Scheibe und prüfen Sie, ob beide Düsen gleichmäßig sprühen. Verstopfte oder falsch eingestellte Düsen lassen sich meist selbst justieren, aber wenn gar keine Flüssigkeit kommt, kann die Pumpe defekt sein. Das erkennen Sie daran, dass der Motor der Pumpe zwar surrt, aber kein Wasser austritt. Auch die Heckscheibenwischer sollten Sie testen, falls vorhanden. Prüfen Sie auch die Wischfunktion bei eingeschaltetem Scheibenwischer-Intervall.

Rückfahrkamera und Parksensoren testen

Die Rückfahrkamera prüfen Sie am besten auf einem Parkplatz mit klaren Markierungen. Legen Sie den Rückwärtsgang ein und beobachten Sie das Bild im Display. Achten Sie auf die Bildqualität, die Farbdarstellung und darauf, ob das Bild ruckelt oder einfriert. Eine Kamera mit schlechter Auflösung oder starkem Rauschen kann nachts kaum etwas zeigen, was das Einparken unnötig erschwert.

Prüfen Sie die Ausrichtung der Kamera. Das Bild sollte den Bereich direkt hinter dem Stoßfänger zeigen und die Heckkante des Fahrzeugs sichtbar sein. Ist die Kamera verstellt oder zeigt sie zu weit nach oben oder unten, lässt sich das oft nicht einfach korrigieren, weil die Kamera fest verbaut ist. Ein verstelltes Bild deutet auf einen früheren Unfall oder einen unsachgemäßen Einbau hin.

Die Einparkhilfe mit Ultraschallsensoren testen Sie, indem Sie langsam rückwärts auf ein Hindernis zufahren, etwa eine Mauer oder einen Einkaufswagen. Die Sensoren sollten in gleichmäßigen Abständen warnen und der Ton schneller werden, je näher Sie kommen. Bleibt der Ton aus oder piept er dauerhaft, ist ein Sensor defekt oder verschmutzt. Verschmutzte Sensoren lassen sich reinigen, ein defekter Sensor kostet je nach Fahrzeugmodell unterschiedlich plus Einbau.

Assistenzsysteme unterwegs prüfen

Moderne Gebrauchtwagen haben oft eine Reihe von Assistenzsystemen, die Sie während der Probefahrt gezielt ausprobieren sollten. Dazu gehören der Spurhalteassistent, der Abstandsregeltempomat, der Notbremsassistent und der Toter-Winkel-Warner. Diese Systeme greifen aktiv ins Fahrgeschehen ein, daher sollten Sie sie nur auf geeigneten Strecken und bei sicheren Verkehrsbedingungen testen.

Der Spurhalteassistent lässt sich am einfachsten auf einer gut markierten Landstraße prüfen. Fahren Sie bewusst langsam an die Fahrbahnmarkierung heran, ohne zu blinken. Das System sollte ein leichtes Gegenlenken oder ein Vibrieren am Lenkrad erzeugen. Reagiert es gar nicht, kann die Funktion deaktiviert sein oder ein Sensor defekt sein. Prüfen Sie im Menü des Fahrzeugs, ob das System aktiviert ist.

Den Abstandsregeltempomat testen Sie auf der Autobahn oder einer gut ausgebauten Schnellstraße. Stellen Sie eine Geschwindigkeit ein und nähern Sie sich einem langsamer fahrenden Fahrzeug. Das System sollte selbstständig abbremsen und den Abstand halten. Wichtig ist, dass Sie dabei die Hände am Lenkrad lassen und bereit sind einzugreifen. Ein System, das nicht reagiert oder abrupt bremst, ist ein Sicherheitsrisiko und sollte vor dem Kauf genau dokumentiert werden.

Den Toter-Winkel-Warner können Sie nur testen, wenn ein zweites Fahrzeug zur Verfügung steht. Fahren Sie auf einer ruhigen Straße und lassen Sie ein Begleitfahrzeug von hinten in den toten Winkel fahren. Die Warnleuchte im Außenspiegel sollte aufleuchten. Ohne Begleitfahrzeug lässt sich dieses System nicht zuverlässig prüfen, daher sollten Sie den Verkäufer fragen, ob das System funktioniert und ob er es regelmäßig warten ließ.

Was bei Mängeln zu tun ist

Stellen Sie bei der Prüfung einen Mangel fest, haben Sie zwei Möglichkeiten: Sie lassen den Preis mindern oder Sie verlangen, dass der Verkäufer den Mangel vor dem Kauf behebt. Bei einem defekten Wischermotor oder einer toten Kamera ist eine Preisminderung oft die einfachere Lösung, weil Sie die Reparatur selbst in die Hand nehmen können. Lassen Sie sich jeden festgestellten Mangel schriftlich bestätigen, bevor Sie den Kaufvertrag unterschreiben.

Der ADAC rät ausdrücklich, sich nicht unter Druck setzen zu lassen. Ein Verkäufer, der auf schnelle Entscheidungen drängt oder den Mangel als Bagatelle abtut, ist kein guter Verhandlungspartner. Nehmen Sie sich die Zeit, die Sie brauchen, und ziehen Sie im Zweifel einen unabhängigen Gutachter oder eine Werkstatt hinzu. Die Kosten für eine solche Prüfung sind je nach Umfang und Anbieter unterschiedlich, können aber teure Fehlkäufe verhindern.