Rost am Gebrauchtwagen erkennen
Beim Gebrauchtwagenkauf entscheidet nicht, ob ein Fahrzeug Rost hat, sondern wo der Rost sitzt. Rost entsteht, wenn Eisen oder Stahl mit Sauerstoff und Wasser zu Eisenoxid reagiert. Das Metall wird porös, und der Rost breitet sich aus. Oberflächlicher Flugrost, also ein feiner Belag auf dem Metall, ist kosmetisch unbedenklich. Rost an tragenden Teilen, also an Bauteilen, die die Stabilität des Fahrzeugs sichern, ist sicherheitsrelevant und kann zur Verweigerung der Hauptuntersuchung (HU) führen.
Wo Rost am Auto entsteht
Rost bildet sich dort, wo der Lack beschädigt ist und blankes Metall der Witterung ausgesetzt wird. Kratzer, Steinschläge, Absplitterungen und Beulen sind die häufigsten Auslöser. Besonders anfällig sind Stellen, an denen Wasser und Schmutz lange liegen bleiben oder im Winter Streusalz das Metall angreift.
Typische Schwachstellen sind die Radläufe und Radkästen, die Türunterkanten und die Schweller unter den Türen, der Kofferraumboden und die Heckklappe. Auch die Motorhaube vorn, die A-Säulen unten, also die vorderen Säulen neben der Windschutzscheibe, und die Scheibenrahmen rosten häufig. An diesen Stellen sammeln sich Feuchtigkeit und Streusalz, und Steinschlag trifft die Flächen besonders stark. Bei älteren Fahrzeugen finden sich oft Rostblasen an den umgebogenen Blechkanten der Türen und am Tankdeckel.
Die drei Roststufen
Nicht jeder Rostbefall ist gleich schwerwiegend. Es gibt drei Stufen, die Sie beim Begutachten auseinanderhalten sollten.
Die erste Stufe ist der Flugrost. Er zeigt sich als feiner, oberflächlicher Belag, oft nach längerem Stehen oder auf blanken Metallteilen wie Bremsscheiben. Flugrost lässt sich mit Schleifpapier oder Politur entfernen und ist rein kosmetisch.
Die zweite Stufe ist die beginnende Substanzkorrosion. Das bedeutet: Der Rost hat den Lack bereits durchbrochen und greift das Metall selbst an. Sie erkennen das an braunen Flecken, Blasen im Lack oder abblätternder Farbe. An diesen Stellen ist das Metall bereits angegriffen, aber die Tragfähigkeit ist noch nicht gefährdet. Solche Stellen lassen sich mit Schleifpapier und Rostumwandler behandeln, wenn sie rechtzeitig entdeckt werden.
Die dritte Stufe ist der kritische Rost an tragenden Teilen. Hier ist das Metall so weit zerstört, dass die Stabilität des Fahrzeugs beeinträchtigt ist. Das betrifft vor allem Federbeindome (die Aufhängungspunkte der Vorderräder), Längsträger (die tragenden Längsbalken des Fahrgestells), Achsaufnahmen (die Befestigungspunkte der Achsen) und Bremsleitungen. An diesen Stellen kann Rost zur HU-Verweigerung führen, weil der Prüfer die Verkehrssicherheit nicht mehr bestätigen kann.
So prüfen Sie ein Fahrzeug auf Rost
Eine gründliche Sichtprüfung beginnt am stehenden Fahrzeug. Gehen Sie in die Hocke und leuchten Sie mit einer Taschenlampe unter das Auto, soweit das ohne Hebebühne möglich ist. Achten Sie auf braune Verfärbungen, Blasenbildung und abblätternden Unterbodenschutz. Klopfen Sie mit dem Knöchel oder einem kleinen Hammer vorsichtig an Schweller und Radläufe. Ein hohler, blecherner Klang deutet auf durchgerostetes Metall hin, ein fester Klang auf intaktes Metall.
Öffnen Sie alle Türen, die Motorhaube und den Kofferraum. Prüfen Sie die umgebogenen Blechkanten der Türen, die Scharniere und die Kanten der Öffnungen. Heben Sie die Fußmatten im Innenraum an und kontrollieren Sie den Boden auf Feuchtigkeit und Rost. Feuchte Teppiche oder ein muffiger Geruch können auf undichte Dichtungen hinweisen. Die eindringende Feuchtigkeit kann dann Rost verursachen.
Die wichtigste Untersuchung findet auf der Hebebühne statt. Nur dort sehen Sie die tragenden Teile von unten und können den Zustand des Unterbodens, der Achsen und der Bremsleitungen beurteilen. Vereinbaren Sie vor dem Kauf einen Termin in einer Werkstatt oder bei einer Prüforganisation. Die Kosten für eine solche Untersuchung lohnen sich, wenn sie Ihnen einen Wagen mit verstecktem Rostschaden ersparen.
Warnsignale für versteckten Rost
Ein frischer, dicker Unterbodenschutz an einem älteren Fahrzeug ist ein Warnsignal und kein Gütezeichen. Manche Verkäufer tragen neuen Unterbodenschutz auf, um kritischen Rost zu verdecken. Wenn der Unterbodenschutz an einem mehrere Jahre alten Fahrzeug makellos und gleichmäßig aussieht, fragen Sie nach, warum er erneuert wurde. Ein seriöser Verkäufer zeigt Ihnen die Rechnung der Behandlung.
Auch Rost an den Bremsleitungen ist ein klares Warnsignal. Diese Leitungen führen die Bremsflüssigkeit zu den Rädern, und ein Durchrosten kann zum Totalausfall der Bremse führen. Prüfen Sie die Leitungen auf braune Flecken und aufgeblähte Stellen. Gleiches gilt für die Federbeindome, die die Aufhängung der Vorderräder tragen. Wenn dort Rost sichtbar ist, lohnt sich eine Reparatur meist nicht mehr.
Wann Sie Abstand nehmen sollten
Sie sollten von einem Kauf Abstand nehmen, wenn Rost an tragenden Teilen sichtbar ist. Dazu gehören Federbeindome, Längsträger, Achsaufnahmen und Bremsleitungen. An diesen Stellen ist eine Reparatur aufwendig und teuer, und die Verkehrssicherheit ist nicht mehr gewährleistet. Auch wenn der Rost bereits durchgehende Löcher in Schwellern oder im Boden bildet, ist das Fahrzeug für den Straßenverkehr ungeeignet.
Bei oberflächlichem Flugrost und kleinen, beginnenden Roststellen können Sie dagegen verhandeln. Lassen Sie sich einen Preisnachlass geben, der die Kosten für die Behandlung abdeckt. Eine kleine Stelle an der Türkante lässt sich mit Schleifpapier, Rostumwandler und Lackstift für wenig Geld selbst beheben. Wichtig ist, dass Sie schnell handeln, denn Rost breitet sich aus, sobald er einmal begonnen hat.