Reifen beim Gebrauchtwagenkauf prüfen: Profil, Alter und Mängel
Beim Gebrauchtwagenkauf entscheidet der Reifenzustand, ob Sie direkt losfahren können oder kurz danach neue Reifen kaufen müssen. Abgefahrene oder beschädigte Reifen erhöhen das Unfall- und Pannenrisiko. In Deutschland wechseln jährlich über sechs Millionen Gebrauchtwagen den Besitzer. Eine Reifenprüfung dauert wenige Minuten und zeigt, ob Sie den Preis nachverhandeln sollten.
Die Prüfung umfasst drei Punkte: Profiltiefe, Reifenalter sowie sichtbare Schäden oder ungleichmäßige Abnutzung. Alle drei lassen sich ohne Werkstattbesuch beurteilen.
Profiltiefe messen und bewerten
Die gesetzliche Mindestprofiltiefe in Deutschland beträgt 1,6 Millimeter. Unterschreitet ein Reifen diesen Wert, verstößt das gegen die Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung und kann beim Verkauf des Fahrzeugs zum Problem werden. Für die Fahrsicherheit reicht der gesetzliche Wert aber nicht aus: Bei Nässe nimmt die Haftung deutlich ab, bevor das Profil die 1,6-Millimeter-Marke erreicht. Als Faustregel gilt, Sommerreifen bei 3 Millimetern Restprofil zu ersetzen, Winterreifen bei 4 Millimetern.
Zum Messen reicht eine Münze oder ein Profiltiefenmesser aus dem Zubehörhandel. Zusätzlich finden Sie in den Hauptprofilrillen kleine Stege, die sogenannten Verschleißindikatoren. Sind die Laufflächen mit diesen Stegen auf gleicher Höhe, ist die gesetzliche Mindestprofiltiefe erreicht. Prüfen Sie alle vier Räder, denn die Reifen verschleißen je nach Achse unterschiedlich schnell. Auch das Reserverad sollten Sie prüfen, falls das Fahrzeug eines hat.
Reifenalter anhand der DOT-Nummer prüfen
Ein Reifen mit viel Profil kann trotzdem unbrauchbar sein, wenn er zu alt ist. Die Gummimischung härtet mit der Zeit aus und verliert an Elastizität, auch wenn das Fahrzeug wenig gefahren wurde. Das Herstellungsdatum steht auf der Reifenflanke. Dort finden Sie die Buchstabenfolge DOT. Die letzten vier Ziffern dahinter geben Produktionswoche und Jahr an. Fehlt die vierstellige Angabe, handelt es sich um einen älteren Reifen.
Reifenhersteller und Automobilclubs empfehlen, Reifen spätestens nach sechs Jahren zu ersetzen, unabhängig vom Profilzustand. Nach zehn Jahren ist ein Weiterfahren aus Sicherheitsgründen nicht mehr zu empfehlen. Beim Gebrauchtwagenkauf sind Reifen, die vier oder fünf Jahre alt sind, noch akzeptabel, sollten aber den Kaufpreis beeinflussen. Kontrollieren Sie das Alter aller vier Reifen einzeln, denn viele Fahrzeuge haben vorne und hinten unterschiedliche Reifen, und Sommer- und Wintersätze können unterschiedlich alt sein.
Typische Schäden erkennen
Sichtbare Schäden an der Reifenflanke sind ein klares Warnsignal. Feine Risse im Gummi entstehen durch Alterung und machen den Reifen brüchig. Beulen oder Ausbuchtungen an der Flanke deuten auf einen Schlag hin, etwa durch ein Schlagloch oder einen Bordstein. Sie bedeuten, dass die Karkasse im Inneren beschädigt ist. Solche Reifen müssen ersetzt werden, ein Weiterfahren ist gefährlich. Auch tiefe Schnitte oder eingefahrene Fremdkörper wie Nägel oder Schrauben sollten Sie beim Kauf nicht übersehen.
Die Abnutzung der Lauffläche verrät, ob das Fahrzeug richtig eingestellt ist. Sind beide Außenkanten stärker abgefahren als die Mitte, war der Reifendruck dauerhaft zu niedrig. Ist die Mitte stärker abgenutzt, war der Druck zu hoch. Einseitig abgefahrene Kanten deuten auf eine falsche Spur oder einen Sturzwert hin, wellenförmige Abnutzung auf defekte Stoßdämpfer oder Radlager. Solche Muster bedeuten, dass nicht nur die Reifen, sondern auch das Fahrwerk überprüft werden muss. Das ist ein Argument, den Preis zu senken oder eine Probefahrt in die Werkstatt zu verlagern.
Folgekosten beim Reifenkauf einplanen
Wenn Profil, Alter oder Schäden einen Reifenwechsel nötig machen, sollten Sie die entstehenden Kosten in die Kaufentscheidung einrechnen. Vier neue Reifen inklusive Montage, Wuchten, neuer Ventile und Entsorgung der Altreifen kosten je nach Reifengröße und Marke einen dreistelligen Betrag, bei größeren Felgen und hochwertigen Marken deutlich mehr. Kommt eine Achsvermessung hinzu, weil die Abnutzung auf eine falsche Spur hindeutet, steigt die Summe weiter. Auch ein einzelner beschädigter Reifen lässt sich meist nicht einzeln ersetzen, weil die Reifen einer Achse gleichmäßig abgenutzt sein sollten.
Diese Kosten sind Verhandlungssache. Fragen Sie den Verkäufer, ob er neue Reifen aufzieht oder den Preis entsprechend senkt. Ein Fahrzeug mit vier alten oder abgefahrenen Reifen hat einen realen Wertabschlag, den Sie beziffern können. Rechnen Sie den Ersatzbedarf vor dem Kauf durch, dann wissen Sie, welches Angebot fair ist.