Probefahrt beim Gebrauchtwagen: Ablauf und wichtige Prüfpunkte
Bei der Probefahrt entscheidet sich, ob der Gebrauchtwagen wirklich zu Ihnen passt und die Technik hält, was die Anzeige verspricht. Viele Schäden und Manipulationen bleiben dabei unsichtbar, und bei privaten Verkäufern haften Sie unter Umständen selbst für Schäden während der Fahrt. Mit einem festen Ablauf und einer Checkliste holen Sie das Beste aus der Fahrt heraus.
Unterlagen prüfen und Fahrt planen
Bevor Sie einsteigen, lassen Sie sich die Fahrzeugpapiere zeigen. Der Fahrzeugschein (Zulassungsbescheinigung Teil I) verrät, ob die Daten zu Fahrzeugtyp, Erstzulassung und Motor passen und ob die Kilometerangabe zur Historie des Wagens plausibel ist. Schauen Sie sich außerdem den letzten TÜV-Bericht, die Scheckheft-Einträge und die Schlüsselnummern an. Fehlen Dokumente oder wirken sie unsauber korrigiert, ist das ein Warnsignal.
Planen Sie die Probefahrt nicht als reine Runde um den Block. Sie brauchen genug Zeit und eine Strecke, die Stadtverkehr, Landstraße und wenn möglich auch ein Stück Autobahn abdeckt. Nur so bekommen Sie ein Bild von Anfahren, Schalten, Bremsen und Geräuschen bei unterschiedlichen Geschwindigkeiten. Wer sich vom Verkäufer eine kurze Runde um den Parkplatz andrehen lässt, sieht von den wichtigen Fahreigenschaften kaum etwas.
Bevor Sie losfahren, klären Sie die organisatorischen Dinge. Notieren Sie sich den Kilometerstand vor und nach der Fahrt. Fragen Sie, ob eine Versicherung des Verkäufers die Probefahrt abdeckt. Bei Händlern ist das meist der Fall, bei privaten Verkäufern nicht unbedingt. Bei Privatverkäufern klären Sie vorher, wer im Schadensfall haftet, und schließen notfalls eine kurze Probefahrt-Vereinbarung ab. Nehmen Sie außerdem Ihren Führerschein mit, denn der Verkäufer sollte Ihre Fahrerlaubnis vor der Fahrt prüfen.
Fahrzeugpapiere prüfen
Bevor Sie sich hinters Steuer setzen, prüfen Sie die Fahrzeugpapiere. Die Zulassungsbescheinigung Teil I (Fahrzeugschein) sollten Sie mit der Fahrgestellnummer im Motorraum und am Armaturenbrett abgleichen. Weicht die Nummer ab, brechen Sie den Kauf ab. Kontrollieren Sie außerdem, ob der letzte HU-Termin (TÜV) eingehalten wurde und ob die eingetragene Leistung zum Angebot passt. Ein seriöser Verkäufer hat kein Problem, wenn Sie das Fahrzeug von außen genau ansehen und die Papiere in Ruhe prüfen. Fehlen Dokumente wie das Serviceheft oder der letzte Prüfbericht, ist das ein Warnsignal.
Dokumente und Zustand vorab prüfen
Bevor Sie sich hinters Steuer setzen, nehmen Sie sich Zeit für den Stand der Dinge. Fragen Sie den Händler oder die Privatperson, welche Unterlagen vorliegen: Zulassungsbescheinigung Teil II (früher Fahrzeugbrief), lückenloses Serviceheft, letzte TÜV- oder HU-Berichte und gegebenenfalls die Schlüsselnummern für Ersatzteile. Wenn der Verkäufer ausweicht oder Dokumente fehlen, lassen Sie es lieber bleiben. Bei einem gewerblichen Händler haben Sie zudem gesetzliche Gewährleistungsrechte, bei einem Privatverkauf gilt in der Regel: gekauft wie gesehen. Diese unterschiedlichen Bedingungen sollten Sie sich vor der Fahrt bewusst machen.
Prüfen Sie außerdem vor der Probefahrt den Gesamtzustand des Fahrzeugs. Gehen Sie mit etwas Abstand um das Auto herum und achten Sie auf unterschiedliche Lacktöne an Türen oder Kotflügeln, ungleichmäßige Spaltmaße und frische Schweißnähte im Motorraum. Eine sehr glänzende Aufbereitung kann alte Schäden verdecken, ein paar Kratzer sind dagegen normal. Fragen Sie den Verkäufer nach bekannten Unfallschäden, und vergleichen Sie seine Aussage mit dem Erscheinungsbild des Autos.
Route und Startkontrolle
Planen Sie für die Probefahrt ausreichend Zeit ein. Eine kurze Runde um den Block reicht nicht, um Motor, Getriebe, Fahrwerk und Elektronik zu prüfen. Legen Sie eine Route fest, die verschiedene Bedingungen abdeckt: innerstädtischen Stop-and-go-Verkehr, eine Landstraße mit Kurven und ein Stück Autobahn, wenn möglich. So testen Sie Kupplung, Schaltung, Bremsen, Lenkung und das Ansprechverhalten des Motors unter realistischen Bedingungen.
Nehmen Sie sich die Zeit, alle Funktionen auszuprobieren: Klimaanlage und Heizung, Scheibenwischer und Waschdüsen, Licht und Nebelschlussleuchte, elektrische Fensterheber und Außenspiegel, Radio und Navigation. Die Bedienung sollte intuitiv funktionieren, ohne dass Sie beim Fahren lange im Menü suchen müssen. Eine Probefahrt, die nur um den Block geht, verrät wenig über den Zustand des Fahrzeugs.
Was Sie vor dem Losfahren prüfen
Bevor Sie den Motor starten, gibt es einige Punkte, die Sie am stehenden Fahrzeug kontrollieren sollten. Sicht- und Geruchstest um das Auto herum sparen Ihnen später böse Überraschungen.
- Karosserie: Achten Sie auf Tür- und Kofferraumkanten, die nach Lackierarbeiten aussehen; unebene Spaltmaße oder ein farblich leicht abweichender Lack können auf einen Unfall hindeuten.
- Reifen: Die Profiltiefe sollte ausreichend sein, bei allen vier Reifen möglichst gleichmäßig abgenutzt. Ungleichmäßiger Abrieb deutet oft auf ein Problem mit der Achsvermessung oder dem Fahrwerk hin.
- Motorraum: Öffnen Sie die Motorhaube, wenn der Motor kalt ist. Kontrollieren Sie den Ölstand am Messstab und die Farbe des Öls. Milchige Ablagerungen unter dem Öldeckel können auf Kühlwassereintritt hindeuten. Schauen Sie auf die Batteriepole und die Riemen: Die sollten sauber und nicht rissig sein.
- Unterboden: Kugel- und Achsgelenke lassen sich von unten nicht immer erkennen, aber Sie können auf Tropfflecken unter dem Auto achten. Frische Öl- oder Kühlmittelflecken sind ein Warnsignal.
- Innenraum: Läuft das Gebläse laut oder leise, riecht es muffig? Sitze und Lenkrad zeigen durch Abnutzung, wie viele Kilometer der Wagen tatsächlich gelaufen sein könnte. Ein stark abgenutztes Lenkrad oder durchgesessenes Fahrersitzpolster bei angeblich niedrigem Kilometerstand ist ein Indiz für eine Manipulation.
Notieren Sie sich alle Auffälligkeiten, die Sie beim Ansehen finden. Nach der Fahrt können Sie so leichter abwägen, ob die Mängel für Sie akzeptabel sind oder ob Sie verhandeln wollen.
Die eigentliche Probefahrt
Setzen Sie sich erst richtig auf den Fahrersitz, stellen Sie Sitz, Lenkrad und Spiegel ein, und nehmen Sie eine bequeme Position ein. Der Sitz sollte Ihnen guten Halt geben, ohne zu drücken. Prüfen Sie, ob Sie alle Pedale gut erreichen und ob der Abstand zum Lenkrad stimmt. Erst wenn die Sitzposition passt, können Sie die Fahrt unbefangen beurteilen.
Beim Kaltstart hören Sie genau hin: Der Motor sollte auch bei kaltem Wetter nach kurzem Startvorgang ruhig und gleichmäßig laufen, ohne Klappern oder Rasseln. Lassen Sie den Motor im Leerlauf warmlaufen und beobachten Sie die Drehzahl. Sie sollte nach dem Kaltstart leicht erhöht sein und dann auf das normale Leerlaufniveau absinken.
Während der Fahrt achten Sie auf:
- Kupplung und Schaltung: Rasten die Gänge sauber ein? Lässt sich die Kupplung gut dosieren? Ein hörbares Schleifen oder ein unpräziser Schaltweg deuten auf Verschleiß hin.
- Bremsen: Beim ersten kräftigen Bremsen sollten keine Vibrationen im Lenkrad auftreten. Auch bei mittlerer Bremsung muss der Wagen gerade stehen und nicht zur Seite ziehen.
- Lenkung: Das Lenkrad sollte in der Geradeausfahrt möglichst mittig stehen. Zieht das Auto zur Seite, stimmt etwas nicht mit Spur oder Bereifung.
- Fahrwerk: Auf welliger Strecke und in Kurven dürfen keine Polter- oder Knarzgeräusche auftreten. Klappert das Fahrwerk bei jedem Schlagloch, sind Dämpfer oder Aufhängung fällig.
- Getriebe & Kupplung: Schalten Sie in jedem Gang durch, auch im Rückwärtsgang. Die Gänge sollten sauber einrasten. Bei Automatikgetrieben achten Sie auf ruckartiges Schalten. In niedrigem Gang sollte der Motor ruhig laufen und nicht ins Stocken geraten.
- Bremsen: Schon beim ersten Bremsen spüren Sie, ob das Pedal hält und ob das Fahrzeug geradeaus bremst. Zieht das Auto zur Seite oder vibriert das Lenkrad, kann das auf verzogene Bremsscheiben hindeuten.
Worauf Sie während der Fahrt achten
Nehmen Sie sich für die Fahrt mindestens eine halbe Stunde Zeit. Sagen Sie dem Verkäufer oder der Verkäuferin, dass Sie eine längere Runde über verschiedene Straßen fahren möchten. Wenn das nicht möglich ist oder die Fahrt ausdrücklich auf einen Parkplatz begrenzt werden soll, fragen Sie nach den Gründen.
Folgende Punkte sollten Sie während der Fahrt im Blick haben:
- Motorlauf: Ein gleichmäßiger Leerlauf ohne Drehzahlschwankungen ist ein gutes Zeichen. Ruckeln, Stottern oder unruhiger Lauf beim Beschleunigen können auf Zündkerzen, Einspritzung oder Vergaser hinweisen.
- Kupplung und Schaltung: Kuppelt das Fahrzeug sauber ein, ohne zu rupfen oder zu schleifen? Lassen sich die Gänge knackig und ohne Geräusche einlegen? Ein durchrutschender Gang lässt sich häufig durch zu geringe Füllung des Getriebeöls erklären, kann aber auch auf einen teuren Schaden hindeuten.
- Lenkung: Das Lenkrad sollte in der Geradeausfahrt locker sein und nicht spürbar ziehen. Ein leichtes Zittern beim Bremsen oder bei höherer Geschwindigkeit deutet auf Probleme an Bremsscheiben, Achsen oder Reifen hin.
- Fahrwerk: Nehmen Sie eine Strecke mit Schlaglöchern oder Kopfsteinpflaster, um zu hören, ob es poltert oder knackt. Geräusche vom Fahrwerk sind oft ein Zeichen für Verschleiß an Stoßdämpfern, Querlenkern oder Gummilagern.
- Diesel- und Benzinmotor: Lassen Sie den Motor bei der Besichtigung kalt starten, nicht vorher warmlaufen. Ein erkalteter Motor verrät mehr über den Zustand des Anlassers, der Batterie und der Vorglühanlage. Ein kurzer Blick auf die Abgasfarbe kann ebenso aufschlussreich sein: Blauer oder grauer Rauch beim Start deutet auf Ölverbrennung hin, schwarzer Rauch unter Last zeugt von einem zu fetten Gemisch.
So testen Sie das Fahrzeug
Setzen Sie sich nicht nur auf den Fahrersitz, sondern prüfen Sie auch Sitzverstellung, Lenkrad und Spiegel auf ihren Einstellbereich. Fahren Sie als Erstes ein paar Runden im Standgas oder bei niedriger Geschwindigkeit auf einem Parkplatz. Lassen Sie die Kupplung langsam kommen und lassen Sie sie dann locker los, ohne Gas zu geben. Ruckelt der Motor oder geht er aus, kann das Fahrzeug ein Problem mit der Kupplung oder dem Leerlauf haben.
Achten Sie während der Fahrt auf folgende Punkte:
- Lenkung: Sitzt die Lenkung gerade bei Geradeausfahrt? Zieht das Fahrzeug nach links oder rechts? Wird es beim Beschleunigen oder Bremsen unruhig?
- Bremsen: Beim ersten kräftigen Bremsen sollte das Pedal straff und gleichmäßig widerstehen. Vibriert das Pedal oder pulsiert es, können die Bremsscheiben verzogen sein. Zieht das Auto zur Seite, stimmt etwas an der Bremsanlage nicht.
- Kupplung und Schaltung: Der Kupplungspunkt sollte sauber spürbar sein, ohne zu rupfen. Bei Schaltgetrieben müssen die Gänge ohne Kratzen wechseln. Bei Automatikgetrieben sollte das Schalten harmonisch und nicht ruckartig passieren.
- Antriebsstrang: Hören Sie auf ungewöhnliche Geräusche aus dem Bereich von Getriebe oder Antriebswellen, besonders bei Kurvenfahrt oder beim Beschleunigen. Ein knackendes Gelenk im Antrieb äußert sich oft nur bei Lenkeinschlag.
Fahren Sie nach der ersten Runde noch einmal über eine Strecke, auf der Sie das Fahrzeug beschleunigen und wieder abbremsen können. Prüfen Sie das Ansprechverhalten des Motors, die Dosierbarkeit der Bremse und ob das Fahrzeug bei voller Beschleunigung oder beim Bremsen zieht. Ein unruhiges Lenkrad bei hoher Geschwindigkeit weist auf Unwucht oder Schäden an Reifen und Federn hin.
Blick unter das Blech
Direkt nach der Fahrt lohnt sich ein zweiter Blick in den Motorraum. Achten Sie auf ausgetretene Flüssigkeiten unter dem Auto oder im Motorraum. Getriebeöl, Kühlwasser oder Bremsflüssigkeit gehören nicht auf den Boden. Auch die Wischerblätter und die Scheibenwaschanlage sollten Sie einmal ausprobieren, denn die sind ein typischer Schwachpunkt bei älteren Fahrzeugen.
Machen Sie eine Probefahrt niemals allein mit einem unbekannten Verkäufer an einem abgelegenen Ort. Treffen Sie sich am besten auf einem gut besuchten Parkplatz oder direkt am Wohnort des Verkäufers, wenn das angenehm und unkompliziert ist.
Ein Punkt, den viele unterschätzen: die Dokumentation. Machen Sie während oder direkt nach der Fahrt Notizen oder Fotos. Wie viele Kilometer sind wirklich auf dem Tacho, wann wurde der letzte Ölwechsel im Serviceheft eingetragen, passt die Reifenmarke zum Fahrzeugtyp? Diese Angaben können Sie später mit der Kaufentscheidung abgleichen.
Was nach der Probefahrt ansteht
Nach der Fahrt sollten Sie sich Zeit nehmen und Ihre Eindrücke sortieren. Ziehen Sie eine Checkliste heran, um nichts zu vergessen: Lenkung, Bremsen, Schaltung, Kupplung, Motorlauf, Geräusche, elektronische Funktionen. Verlassen Sie sich nicht auf Ihr Bauchgefühl allein, sondern notieren Sie konkrete Beobachtungen.
Wenn Sie unsicher sind, ob Sie Mängel erkennen oder beurteilen können, ziehen Sie einen Fachmann hinzu. Eine Prüfung durch eine unabhängige Werkstatt oder einen Automobilclub vor dem Kauf kostet Geld, kann aber teure Überraschungen verhindern. Die Kosten dafür sind im Verhältnis zum Kaufpreis eines Gebrauchtwagens meist gut investiert.
Fahrzeug nach der Fahrt prüfen
Nach der Fahrt sollten Sie das Fahrzeug noch einmal von außen und innen in Augenschein nehmen, während es warm ist. Öffnen Sie die Motorhaube und prüfen Sie auf Flüssigkeitsstände: Kühlwasser, Öl, Bremsflüssigkeit. Ein ungewöhnlich hoher Verbrauch oder eine auffällig feuchte Stelle auf dem Motorblock sind Warnsignale. Kontrollieren Sie auch die Reifen auf ungewöhnlichen Abrieb, der auf einer Probefahrt entstanden sein könnte, und ob alle vier Reifen gleichmäßig abgenutzt sind.
Verlangen Sie vor der Entscheidung eine Probefahrt mit einem neutralen Beifahrer, etwa einem Freund oder einem Techniker. Diese Person kann auf Dinge achten, die Ihnen während der Fahrt entgehen. Auf Wunsch können Sie auch den Händler bitten, eine Probefahrt in einer Werkstatt oder bei einem unabhängigen Prüfdienst zu ermöglichen. Ein seriöser Verkäufer wird dem in der Regel zustimmen.
Eindrücke notieren und vergleichen
Wichtig: Eine Probefahrt ist noch kein Kauf. Lassen Sie sich vom Verkäufer nicht unter Zeitdruck setzen, wenn Sie sich eine Bedenkzeit wünschen. Nehmen Sie sich nach der Fahrt Zeit, um die Eindrücke zu sortieren und offene Fragen zu klären.
Notieren Sie sich direkt nach der Fahrt, was Ihnen aufgefallen ist, bevor Sie die Eindrücke wieder verlieren. Ein kleines Heft oder eine Notiz-App im Handy hilft, verschiedene Fahrzeuge später fair zu vergleichen. Sorgen Sie dafür, dass die Probefahrt nicht im Regen oder bei Dunkelheit stattfindet, denn dann sehen Sie die wichtigsten Punkte nicht richtig.
Rechtliches und Versicherung
Bei einem Händler ist die Sache rechtlich einfach: Das Fahrzeug ist versichert, und bei einem Fahrzeugschaden während der Probefahrt greift normalerweise die Haftpflicht des Händlers. Bei einem privaten Verkauf sieht das anders aus. Fragen Sie vorher, wie die Versicherung geregelt ist und ob Sie selbst über eine gültige Kfz-Haftpflichtversicherung verfügen. Ein privater Verkäufer kann eine Probefahrt an Bedingungen knüpfen, etwa an den Abschluss einer Versicherung für diese Fahrt. Klären Sie das vorab, sonst zahlen Sie im Schadensfall möglicherweise selbst.
Verlangen Sie einen Kaufvertrag, in dem die gefahrene Probestrecke vermerkt ist, oder bringen Sie selbst ein Muster dafür mit. Wenn der Verkäufer Ihnen das Fahrzeug ohne Kaufvertrag anbietet oder die Zulassungsbescheinigung nicht aushändigen möchte, sprechen Sie ihn direkt darauf an.
Entscheidung ohne Zeitdruck
Notieren Sie sich nach der Probefahrt, was Ihnen aufgefallen ist, egal ob positiv oder negativ. Bleiben Sie kritisch, auch wenn das Auto gut aussieht oder der Motor leise läuft. Viele Mängel zeigen sich nicht bei der ersten Fahrt, etwa verdeckte Unfallschäden oder elektronische Fehler, die erst nach ein paar hundert Kilometern auftreten.
Lassen Sie sich nicht vom Verkäufer oder Händler zu einer schnellen Entscheidung drängen. Wenn etwas nicht passt, nehmen Sie sich eine Bedenkzeit. Sollten Sie Zweifel an der Herkunft des Fahrzeugs haben, etwa beim Kilometermaterial oder bei der Dokumentation, lassen Sie eine unabhängige Prüfung durchführen. Eine TÜV- oder DEKRA-Untersuchung sowie ein Blick in die Servicenachweise geben mehr Sicherheit als die schönste Probefahrt. Bei einem Händler können Sie auch nach einem Umtauschrecht oder einer Garantie fragen, wenn Sie erhebliche Mängel finden.
Zweite Probefahrt und Gutachten
Nach der Fahrt sollten Sie sich Notizen gemacht haben: Welche Geräusche sind aufgetreten, wie hat sich das Fahrzeug angefühlt, was wurde am Werkstattstempel oder im Serviceheft geprüft? Ein Blick unter das Auto und in den Kofferraum lohnt sich auch nach der Fahrt, denn so sehen Sie, ob nach längerer Fahrt Öl austritt, ob der Motorraum sauber geblieben ist oder ob der Wagen Öl verliert.
Überlegen Sie in Ruhe, ob Sie den Wagen tatsächlich kaufen möchten. Lassen Sie sich nicht unter Zeitdruck setzen. Ein seriöser Verkäufer oder eine Verkäuferin akzeptiert, dass Sie sich eine zweite Probefahrt wünschen, etwa um das Fahrzeug noch einmal bei Kälte oder im Feierabendverkehr zu testen. Scheuen Sie sich nicht davor, ein unabhängiges Fahrzeuggutachten oder eine Werksprüfung in Auftrag zu geben, wenn Sie sich nicht sicher sind. Versteckte Schäden wie ein manipulierter Tachostand, eine veränderte Fahrzeugidentifikationsnummer oder gefälschte Serviceunterlagen lassen sich mit bloßem Auge oft nicht erkennen. Eine Analyse durch einen Fachbetrieb kann hier Klarheit schaffen und vor teuren Fehlkäufen schützen.
Wenn der Verkäufer Druck macht oder eine längere Bedenkzeit ablehnt, sollten Sie misstrauisch werden. Ein seriöser Händler hat kein Interesse daran, dass Sie unter Zeitdruck eine Entscheidung treffen. Nehmen Sie sich nach der Fahrt ein paar Minuten Zeit und prüfen Sie, ob das Fahrzeug wirklich zu Ihrem Alltag passt: Passt die Sitzposition, haben Sie genug Kopffreiheit, lässt sich die Rückbank sinnvoll umklappen?
Was Sie nach der Probefahrt noch tun sollten
Lassen Sie sich nach der Fahrt nicht zu einer schnellen Entscheidung drängen. Notieren Sie sich zu Hause alle Punkte, die Ihnen aufgefallen sind, und vergleichen Sie sie mit den Angaben des Verkäufers. Wenn Sie Zweifel an der einwandfreien Herkunft oder am Zustand haben, suchen Sie eine unabhängige Werkstatt oder einen Prüfverein für eine Fahrzeuguntersuchung auf. Der Kostenpunkt ist überschaubar und kann Sie vor teuren Reparaturen schon in den ersten Wochen bewahren.
Ein Blick in das Serviceheft auf die sogenannte Vielschreiber-Note lohnt ebenfalls: Sind alle Inspektionen regelmäßig durchgeführt worden, und passen die Datums- und Kilometerstände zu den Einträgen? Bei einem Fahrzeug mit digitalem Serviceprotokoll lässt sich der letzte Eintrag oft direkt im Bordcomputer abrufen.
Die wichtigsten Prüfpunkte
- Vorab: Alle Papiere ansehen, Odometerstand notieren, auf Manipulationen achten (unleserliches Serviceheft, fehlende Stempel).
- Standprüfung: Karosseriedetails, Reifen, Bremsen und Motorraum prüfen. Achten Sie auf Flüssigkeiten, Leckagen und Abgasgeruch.
- Probefahrt-Route: Stadtverkehr mit Stop-and-go, Überlandfahrt mit Kurven, kurze Autobahnetappe und, wenn möglich, eine Gefällestrecke für die Motorbremse.
- Fahrverhalten: Bremsen ohne Ziehen oder Vibrieren, Lenkung reagiert direkt. Schalten ohne Geräusche, Motor läuft ohne Ruckeln im Leerlauf.
- Funktionen: Klimaanlage, elektrische Fensterheber, Radio, Navigationssystem, Assistenzsysteme wie Abstandswarner und Einparkhilfe.
- Geräusche: Klappern, Knacken oder Pfeifen ernst nehmen. Viele Verschleißteile machen sich nur durch Geräusche bemerkbar, bevor teure Folgeschäden entstehen.
Wenn Sie sich mit dem Auto nicht sicher sind, machen Sie eine zweite Probefahrt, idealerweise mit einer Person, die sich mit Autos auskennt. Ein neutraler Blick von außen kann auch beim Anfahren, Rangieren und Einparken wertvoll sein, denn hier zeigt sich das Fahrverhalten, das in Prospekten nie auftaucht.
Unabhängige Fahrzeugprüfung
Die Probefahrt ist nur ein Teil der Kaufprüfung. Sie ersetzt keine Fachwerkstatt-Untersuchung. Verdeckte Mängel wie eine manipulierte Laufleistung, elektronische Fehlfunktionen oder Unfallschäden, die nicht sichtbar sind, lassen sich selbst nach einer gründlichen Probefahrt nicht ausschließen. Lassen Sie bei einem älteren Fahrzeug oder bei einem überdurchschnittlich günstigen Angebot einen TÜV-Untersuchungsbericht oder einen Gebrauchtwagencheck in einer Werkstatt prüfen. Die Kosten dafür liegen meist im überschaubaren Bereich beziehungsweise je nach Umfang auch etwas darüber, und Sie bekommen einen unabhängigen Blick auf den Zustand von Bremsen, Fahrwerk und wichtigen Verschleißteilen.
Wenn Unklarheiten bleiben
Manchmal bleibt nach der Fahrt ein ungutes Gefühl. Der Wagen liegt gut auf der Straße, aber die Nachweise zur Wartung sind lückenhaft, oder der Verkäufer drängt auf eine schnelle Entscheidung. In solchen Fällen ist Vorsicht angebracht. Ein seriöser Verkäufer lässt Ihnen Zeit, das Fahrzeug auch bei einem Dritten prüfen zu lassen. Vereinbaren Sie dies schriftlich im Kaufvertrag, bevor Sie zahlen. Bei einem Privatkauf unterliegen Gebrauchtwagen in der Regel der Gewährleistung des Verkäufers, aber ein privater Verkäufer kann diese oft ausschließen. Dann bleibt Ihnen nur die Prüfung vor dem Kauf.
Nehmen Sie bei Bedarf eine zweite Person zur Probefahrt mit. Sie kann auf Geräusche achten, während Sie sich auf den Verkehr konzentrieren, und gegebenenfalls die Funktionen im Fahrzeug testen. Zwei Paar Ohren hören mehr als eines, gerade bei Auffälligkeiten im Innenraum oder beim Auspuffsound. Notieren Sie sich nach der Fahrt in Ruhe, was Ihnen gefallen hat und was nicht. Ein kühler Kopf direkt nach der Fahrt hilft, keine spontane Entscheidung zu treffen, die Sie später bereuen.