Passt ein Elektroauto zu Ihrem Alltag?

Ein Elektroauto passt zu Ihrem Alltag, wenn Sie zu Hause oder am Arbeitsplatz laden können und Ihre üblichen Tagesstrecken in der Reichweite liegen. Wer beides mit Ja beantwortet, fährt meist günstiger und unkomplizierter als mit einem Benziner. Wer keine eigene Lademöglichkeit hat und oft lange Strecken fährt, sollte die Entscheidung genauer prüfen.

Laden zu Hause planen

Die wichtigste Frage vor dem Kauf lautet: Wo laden Sie das Auto? Wer ein eigenes Haus oder eine Garage mit Stromanschluss hat, startet mit einem klaren Vorteil. Eine Wallbox, also eine fest installierte Ladestation an der Wand, lädt ein Elektroauto über Nacht voll. Der Einbau kostet je nach Gegebenheiten einige hundert bis wenige tausend Euro, ein normaler Haushaltsstecker reicht für den Alltag aber oft aus, wenn Sie nicht täglich große Strecken fahren.

Der Strompreis entscheidet über die laufenden Kosten. In Deutschland liegen private Stromtarife meist zwischen 0,35 und 0,40 Euro pro Kilowattstunde (kWh). Ein Elektroauto verbraucht im Schnitt etwa 18 kWh pro 100 Kilometer. Bei einer üblichen monatlichen Fahrleistung sind die Stromkosten je nach Tarif deutlich niedriger als die Benzinkosten für dieselbe Strecke.

Einige Stromanbieter bieten spezielle Autostromtarife mit günstigeren Preisen in der Nacht an. Prüfen Sie vor Vertragsabschluss, ob Ihr Zähler dafür geeignet ist und ob sich der Wechsel lohnt. Wer eine Photovoltaikanlage auf dem Dach hat, lädt einen Teil des Stroms direkt von der eigenen Anlage und senkt die Kosten weiter.

Laden unterwegs einplanen

Wer keine eigene Lademöglichkeit hat, ist auf öffentliche Ladestationen angewiesen. Mit etwas Planung funktioniert das: In Städten und entlang der Autobahnen gibt es inzwischen ein dichtes Netz an Schnellladestationen, an denen Sie in kurzer Zeit genug Strom für mehrere hundert Kilometer nachladen. An normalen Ladestationen in der Stadt dauert der Ladevorgang dagegen mehrere Stunden, was nur sinnvoll ist, wenn Sie das Auto während der Arbeit oder beim Einkaufen abstellen.

Die Kosten an öffentlichen Stationen variieren stark. Schnelllader sind deutlich teurer als das Laden zu Hause. Wer regelmäßig unterwegs lädt, zahlt daher schnell so viel wie mit einem sparsamen Benziner. Viele Anbieter verkaufen Ladekarten oder Abos mit günstigeren Preisen, die sich bei häufiger Nutzung rechnen. Eine gute Orientierung bietet die Lade-App des jeweiligen Anbieters oder ein Vergleichsportal, das die Preise in Echtzeit anzeigt.

Für den gelegentlichen Ausflug oder die Urlaubsfahrt ist das Schnellladen entlang der Autobahn heute unkompliziert. Planen Sie längere Strecken vorab mit einem Routenplaner, der Ladestopps automatisch einplant und die Ladezeit berücksichtigt. Die meisten aktuellen Elektroautos zeigen die verbleibende Reichweite zuverlässig an, sodass Sie nicht ständig auf die Prozentanzeige schauen müssen.

Reichweite realistisch einschätzen

Die Reichweite, die der Hersteller angibt, gilt nur unter Idealbedingungen. Im Alltag ist sie deutlich geringer. Im Winter sinkt die Reichweite durch Heizung und kältere Batterie spürbar, auf der Autobahn bei hohem Tempo ebenfalls. Ein Auto, das laut Hersteller eine bestimmte Reichweite hat, schafft im Winter bei hohem Tempo auf der Autobahn oft nur einen Bruchteil davon. Für den täglichen Pendelweg reicht das in der Regel völlig aus, für lange Urlaubsfahrten müssen Sie Ladestopps einplanen.

Wichtiger als die maximale Reichweite ist, ob Sie an einem normalen Tag genug Reserven haben. Als Faustregel gilt: Die reale Reichweite sollte mindestens das Doppelte Ihrer täglichen Fahrstrecke betragen, damit Sie auch bei Kälte und Umwegen ohne Zwischenladen auskommen.

Batteriezustand und Lebensdauer

Die Batterie ist der teuerste Baustein eines Elektroautos und zugleich der Bereich, über den sich viele Käufer Sorgen machen. Die gute Nachricht: Moderne Lithium-Ionen-Batterien halten deutlich länger als früher angenommen. Die Hersteller geben in der Regel eine mehrjährige Garantie mit einer Kilometerbegrenzung auf die Batterie, wobei die Kapazität in dieser Zeit nicht unter einen bestimmten Prozentsatz fallen darf. Nach dieser Zeit ist die Batterie meist noch nutzbar, hat aber an Reichweite verloren.

Wie schnell die Batterie altert, hängt stark von der Nutzung ab. Häufiges Schnellladen, vollständiges Entladen und extreme Temperaturen beschleunigen den Abbau. Wer das Auto überwiegend zu Hause mit mäßiger Ladeleistung lädt und den Ladestand in einem moderaten Bereich hält, erhält die Kapazität am besten. Bei Langstreckenfahrten ist das volle Aufladen an einer Schnellladestation unvermeidlich, schadet der Batterie aber nicht dauerhaft, wenn es nicht zur täglichen Routine wird.

Beim Kauf eines gebrauchten Elektroautos sollten Sie den Batteriezustand prüfen lassen. Viele Werkstätten und Händler führen einen Batterietest durch, der die verbleibende Kapazität anzeigt. Ein Fahrzeug mit hoher Restkapazität ist kaum eingeschränkt nutzbar, bei deutlich geringerer Restkapazität sollten Sie mit spürbar geringerer Reichweite rechnen und den Preis entsprechend verhandeln.

Was ein Elektroauto kostet

Die Anschaffungskosten für Elektroautos liegen weiterhin über denen vergleichbarer Benziner, die laufenden Kosten dafür deutlich darunter. Eine Studie des International Council on Clean Transportation (ICCT) aus Deutschland zeigt, dass neue batterieelektrische Fahrzeuge der Kompaktklasse über die gesamte Nutzungsdauer niedrigere Gesamtbetriebskosten haben als benzinbetriebene Pendants. Dabei berücksichtigt die Studie Förderungen, Steuern, Wartung und Kraftstoffkosten. In der Kleinwagen-Kategorie sind die Einsparungen geringer und verschwinden ohne Kaufprämie ganz.

Strom ist pro Kilometer günstiger als Benzin, und die Kfz-Steuer ist für reine Elektroautos derzeit ausgesetzt. Auch der Wartungsaufwand ist geringer, weil Elektromotoren weniger verschleißanfällige Teile haben. Bremsen halten länger, weil das Rekuperieren, also das Zurückgewinnen von Energie beim Verzögern, die mechanische Bremse entlastet. Ölwechsel und Zündkerzen entfallen komplett.

Die staatliche Förderung hat sich in den letzten Jahren mehrfach geändert; aktuell gibt es keine Kaufprämie mehr für neue Elektroautos, was den Preisvorteil gegenüber Benzinern verringert. Prüfen Sie daher genau, ob sich der höhere Anschaffungspreis durch die niedrigeren Betriebskosten für Ihre Fahrleistung rechnet. Wer viel fährt, profitiert stärker von den günstigen Stromkosten als jemand, der nur wenige Kilometer im Jahr zurücklegt.

Für wen sich ein Elektroauto lohnt

Der typische Elektroauto-Käufer hat ein eigenes Haus oder eine feste Lademöglichkeit am Arbeitsplatz und fährt täglich eine überschaubare Strecke. Pendler mit einer üblichen Pendelstrecke profitieren am meisten, weil sie die niedrigen Stromkosten voll ausnutzen und selten öffentlich laden müssen. Auch Familien mit Zweitwagen, die den Stromer für den Alltag und den Verbrenner für die Urlaubsfahrt nutzen, kommen gut mit der eingeschränkten Reichweite zurecht.

Wer dagegen regelmäßig mehrere hundert Kilometer am Stück fährt, keine feste Lademöglichkeit hat oder in einer Mietwohnung ohne eigenen Stellplatz wohnt, sollte den Kauf kritisch prüfen. Wer ständig auf öffentliche Ladestationen angewiesen ist, verliert Zeit und zahlt oft mehr als erwartet. In solchen Fällen kann ein Hybrid oder ein sparsamer Benziner die praktischere Wahl sein.

Ein Elektroauto passt nur dann, wenn die konkreten Lebensumstände stimmen. Wer die Grundvoraussetzungen erfüllt, fährt mit einem Stromer heute günstiger und alltagstauglicher als mit einem Verbrenner. Wer sie nicht erfüllt, sollte warten, bis sich die Ladeinfrastruktur oder die eigenen Rahmenbedingungen verbessert haben.