Neuwagen oder Gebrauchtwagen: Welche Option sich wann lohnt
Beim Autokauf stehen Sie vor einer Grundsatzentscheidung: Neuwagen oder Gebrauchtwagen. Der Neuwagen kostet deutlich mehr, bietet dafür volle Garantie, aktuelle Technik und freie Auswahl bei Ausstattung und Farbe. Der Gebrauchtwagen ist günstiger, hat aber den größten Wertverlust bereits hinter sich.
Die wichtigste Zahl ist der Wertverlust. Ein Neuwagen verliert im ersten Jahr durchschnittlich einen erheblichen Prozentsatz an Wert, nach drei Jahren kann der Verlust einen erheblichen Teil betragen. Wer Geld sparen will, kauft gebraucht. Wer Sicherheit, Garantie und freie Konfiguration schätzt, zahlt den Aufpreis für den Neuwagen.
Der Wertverlust entscheidet die Kostenfrage
Der Kaufpreis ist nur ein Teil der Rechnung. Zu den Autokosten zählen Versicherung, Unterhalt, Kraftstoff, Steuer und eben der Wertverlust. Und der Wertverlust ist der größte einzelne Kostenposten. Er beginnt in dem Moment, in dem das Fahrzeug zugelassen wird, und er trifft den Neuwagenkäufer am härtesten.
Der ADAC hat in einem Kostencheck rund 1200 aktuelle Modelle mit allen Kosten von der Versicherung bis zum Wertverlust verglichen. Das Ergebnis: Wer nur auf Anschaffungspreis und Verbrauch achtet, kann in eine Kostenfalle laufen. Deutsche Autobesitzer unterschätzen die Gesamtkosten ihres Autos systematisch um einen erheblichen Betrag. Wenn Sie einen Neuwagen kaufen, sollten Sie sich also nicht nur den Listenpreis ansehen, sondern die Gesamtrechnung über die geplante Haltedauer.
Ein Gebrauchtwagen umgeht den steilsten Teil der Wertverlustkurve. Der erste Besitzer hat den größten Wertverlust bereits getragen. Wenn Sie ein drei Jahre altes Fahrzeug kaufen, übernehmen Sie es zu einem Preis, der deutlich unter dem Neupreis liegt. In den folgenden Jahren verliert es prozentual weniger.
Was ein Neuwagen bietet
Der Neuwagen hat klare Vorteile, die über die Optik hinausgehen. Er bringt moderne Technik und aktuelle Sicherheitsstandards mit, und er fällt in den ersten Jahren unter die Herstellergarantie. Kommt es zu einem Defekt, übernimmt der Hersteller die Reparaturkosten. Zusätzlich greift die gesetzliche Gewährleistung, wenn ein Mangel vorliegt. Wenn Sie auf planbare Kosten in den ersten Jahren Wert legen, bekommen Sie diese Planbarkeit nur beim Neuwagen.
Hinzu kommt die freie Wahl. Beim Neuwagenkauf bestimmen Sie Ausstattung, Farbe und Extras selbst. Sie bekommen genau das Fahrzeug, das Sie bestellen, ohne Kompromisse bei Vorbesitzern oder Vorschäden. Auch der Wiederverkaufswert liegt höher als bei einem Gebrauchtwagen, wenn Sie das Fahrzeug später wieder verkaufen.
Der Preis dafür ist der steile Wertverlust in den ersten Jahren. Wenn Sie den Neuwagen lange fahren, verteilt sich dieser Verlust auf viele Jahre und relativiert sich. Wenn Sie ihn nach zwei oder drei Jahren wieder abgeben, zahlen Sie genau für die Phase, in der das Auto am meisten verliert.
Die Vorteile des Gebrauchtwagens
Der Gebrauchtwagen kostet in der Anschaffung deutlich weniger. Für den Preis eines kleinen Neuwagens bekommen Sie gebraucht oft ein größeres oder besser ausgestattetes Fahrzeug. Wenn Sie Ihr Budget nicht überdehnen wollen oder ein Zweitwagen suchen, kommen Sie mit einem Gebrauchtwagen weiter.
Der größte Vorteil liegt im Wertverlust. Ein Gebrauchtwagen hat den stärksten Wertabfall bereits hinter sich. Wenn Sie ein Fahrzeug kaufen, das drei Jahre alt ist, verliert es in den folgenden Jahren prozentual weniger als in den ersten Jahren. Die monatliche Kostenbelastung durch Wertverlust sinkt entsprechend.
Dafür müssen Sie Abstriche machen. Die Auswahl richtet sich nach dem Marktangebot, nicht nach Ihren Wünschen. Die gewünschte Farbe oder Ausstattung finden Sie nicht immer. Und die Garantie des Herstellers ist in vielen Fällen abgelaufen oder nur noch eingeschränkt vorhanden. Beim Gebrauchtwagenkauf tragen Sie das Risiko, dass ein versteckter Mangel erst nach dem Kauf auffällt. Eine gründliche Prüfung des Fahrzeugs und die Prüfung der Unterlagen sind deshalb Pflicht.
Wann sich Neuwagen oder Gebrauchtwagen lohnt
Die Entscheidung lässt sich auf wenige Regeln herunterbrechen. Ein Neuwagen lohnt sich, wenn Sie das Fahrzeug lange fahren wollen, wenn Sie Wert auf Garantie und planbare Kosten legen und wenn Sie ein genau konfiguriertes Fahrzeug möchten. Wenn Sie den Neuwagen zehn Jahre fahren, verteilt sich der anfängliche Wertverlust auf eine lange Zeit, und Sie profitieren von der vollen Garantiephase.
Ein Gebrauchtwagen lohnt sich, wenn das Budget die Grenze setzt, wenn Sie das Fahrzeug nur wenige Jahre nutzen wollen und wenn Sie mit dem Angebot auf dem Markt leben können. Wenn Sie ein drei bis fünf Jahre altes Fahrzeug kaufen, sparen Sie den größten Teil des Wertverlusts und zahlen in der Anschaffung deutlich weniger.
Wenn Sie den Neuwagen ohnehin nur kurz fahren wollen, sollten Sie über Leasing nachdenken. Leasing kann eine vorteilhafte Möglichkeit sein, den Wertverlust zu umgehen, insbesondere bei Elektroautos. Beim Leasing zahlen Sie die Nutzung, nicht den vollen Kaufpreis, und geben das Fahrzeug nach der Vertragslaufzeit zurück.
Grenzen der Wertverlust-Rechnung
Die genannten Wertverlustzahlen sind Durchschnittswerte. Sie gelten nicht für jedes Modell gleich. Manche Fahrzeuge verlieren schneller an Wert, andere halten ihren Preis erstaunlich gut. Beliebte Modelle mit gutem Ruf und hoher Nachfrage verlieren weniger, während Fahrzeuge mit schwacher Nachfrage oder hohem Verbrauch stärker abwerten. Vor dem Kauf lohnt ein Blick auf die tatsächlichen Gebrauchtwagenpreise des gewünschten Modells.
Auch die Kostenstudien haben Grenzen. Eine Untersuchung stammt von Allianz Direct, einem Versicherer, der ein eigenes Interesse am Thema hat. Die Angaben zu gestiegenen Unterhaltskosten sind allgemein bekannt, konkrete Prozentwerte für den Anstieg über die Jahre lassen sich aber nicht pauschal nennen. Die Gesamtrechnung hängt immer von Ihrem Fahrprofil, Ihrem Wohnort und dem gewählten Modell ab.