Karosserie prüfen: So erkennen Sie Unfallschäden am Auto
Beim Gebrauchtwagenkauf bestimmt die Karosserie den Fahrzeugwert. Ein reparierter Unfallschaden senkt den Preis. Wurden tragende Teile unsachgemäß gerichtet, wird er zum Sicherheitsrisiko. Die meisten Reparaturen hinterlassen Spuren, die Sie mit einfachen Mitteln finden. Sie müssen nur wissen, wo Sie suchen und welche Werkzeuge Sie nutzen.
Spaltmaße prüfen
Die Spaltmaße sind der Abstand zwischen zwei Karosserieteilen, etwa zwischen Tür und Kotflügel oder zwischen Motorhaube und Scheinwerfer. Hersteller setzen diese Abstände bei der Produktion mit hoher Präzision. Ein zu großer oder ungleichmäßiger Spalt zeigt, dass ein Teil nach einem Unfall ausgerichtet oder ersetzt wurde.
Prüfen Sie die Spaltmaße auf beiden Fahrzeugseiten systematisch: Tür links und rechts, Motorhaube vorn, Kofferraumklappe hinten. Ein Unterschied von mehr als einem Millimeter zwischen linker und rechter Seite ist ein deutlicher Hinweis auf eine einseitige Reparatur. Achten Sie auch darauf, ob der Spalt über die gesamte Länge gleich breit bleibt oder ob er an einer Stelle enger wird. Ein Spalt, der vorne zwei Millimeter und hinten vier Millimeter misst, gehört nicht in den Werkszustand.
Nachlackierung erkennen
Der Lack verrät mehr über die Fahrzeughistorie als jedes andere Bauteil. Ein nachlackiertes Teil hat eine andere Lackschichtdicke als der Originallack. Im Werk trägt der Hersteller die Farbe in einer Schicht von etwa 80 bis 150 Mikrometern auf. Eine Nachlackierung liegt meist bei 180 bis 350 Mikrometern, weil der Lackierer zuerst die alte Schicht anschleift und dann eine neue aufträgt. Stark gespachtelte Stellen, also Bereiche, in denen vor dem Lackieren Spachtelmasse aufgetragen wurde, erreichen Werte über 800 Mikrometern.
Ein Schichtdickenmessgerät, auch Lackdickenmessgerät genannt, gibt Ihnen diese Werte zuverlässig an. Das Gerät ist eine sinnvolle Investition, wenn Sie regelmäßig Gebrauchtwagen prüfen. Messen Sie mehrere Stellen pro Bauteil: die Mitte der Tür, den Bereich um das Türschloss und die Kante zum Kotflügel. Nachlackierungen sind oft nur an einer Stelle erkennbar, etwa weil der Lackierer die Türkante nicht vollständig erfasst hat.
Ohne Messgerät erkennen Sie Nachlackierungen an der Oberflächenstruktur. Originallack hat eine gleichmäßige, feine Orangenhaut. Eine Nachlackierung zeigt oft einen leichten Farbunterschied zum angrenzenden Teil, besonders bei Tageslicht und aus verschiedenen Blickwinkeln. Halten Sie den Kopf so, dass das Licht streifend auf die Fläche fällt. Dann sehen Sie auch kleine Unebenheiten, die auf Spachtelarbeit hindeuten.
Schweißnähte und Schrauben prüfen
Im Kofferraum und unter den Teppichen liegen die Schweißpunkte offen, die die Karosserieteile verbinden. Im Werk setzt der Hersteller diese Punkte mit Robotern. Sie sind daher exakt gleichmäßig, rund und in regelmäßigen Abständen angeordnet. Nach einer Reparatur sehen Sie oft unregelmäßige Abstände, längliche Schweißnähte oder Hitzeverfärbungen am Blech. Solche Spuren entstehen, wenn ein Betrieb die Karosserie mit einer anderen Schweißtechnik repariert hat.
Heben Sie die Kofferraumteppiche an und prüfen Sie die Reserveradmulde auf Feuchtigkeit und Rost. Ein feuchter oder korrodierter Boden zeigt, dass das Fahrzeug längere Zeit mit einem undichten Schaden gefahren wurde. Auch die Schrauben an Türen, Motorhaube und Kofferraumklappe geben Hinweise: Werkseitig sind sie sauber lackiert und haben keine Werkzeugspuren. Abgenutzte oder überlackierte Schraubenköpfe zeigen, dass ein Teil demontiert und wieder montiert wurde.
Overspray und fehlende Aufkleber
Overspray ist der feine Lacknebel, der beim Lackieren auf angrenzende Teile gelangt. Ein professioneller Lackierer klebt die umliegenden Flächen ab, aber im Detail bleibt oft etwas zurück. Prüfen Sie die Türdichtungen, die Falze unter der Motorhaube und die Bereiche um die Heckklappe auf feine Farbspritzer. Auch auf Kunststoffteilen wie Scheinwerfern oder Stoßfängern finden sich manchmal winzige Lackpartikel, die mit dem Finger abgehen.
Ein weiteres Indiz für einen Teiletausch sind fehlende Aufkleber. Viele Hersteller bringen an Türen, Motorhaube und Kofferraumklappe Aufkleber mit der Fahrzeugidentifikationsnummer an. Fehlt ein solcher Aufkleber oder weicht er von den anderen ab, wurde das Teil ersetzt. Gleiches gilt für das Typenschild im Motorraum: Es sollte fest sitzen und keine Spuren von Nacharbeit zeigen.
Unterseite prüfen
Die Prüfung von außen zeigt nur die sichtbaren Schäden. Strukturschäden an Längsträgern oder der Bodengruppe bleiben oft verborgen, bis das Fahrzeug auf einer Hebebühne steht. Wenn Sie ernsthaft an einem Fahrzeug interessiert sind, vereinbaren Sie eine Besichtigung in einer Werkstatt mit Hebebühne. Dort sehen Sie die Unterseite des Fahrzeugs: Längsträger sollten gerade verlaufen und keine Beulen oder Schweißnähte aufweisen. Auch die Achsaufnahmen und die Befestigungspunkte der Stoßdämpfer zeigen bei einem Unfall oft Risse oder Verformungen.
Eine Achsvermessung gibt zusätzliche Sicherheit. Ein Fahrzeug, das nach einem Unfall nicht korrekt gerichtet wurde, zieht zur Seite oder hat einen schief stehenden Lenkradkranz. Beides fällt Ihnen bei der Probefahrt auf, aber eine Achsvermessung liefert die genauen Werte und zeigt, ob die Spur stimmt. Fragen Sie den Verkäufer nach den Unterlagen zu Reparaturen. Fehlen Belege für durchgeführte Arbeiten, sollten Sie vorsichtig sein.