Den Innenraum beim Autokauf richtig prüfen

Beim Gebrauchtwagenkauf verrät der Innenraum oft mehr über den Zustand als der Außenlack: Feuchtigkeit, Pflegezustand und Vorschäden hinterlassen Spuren, die Sie mit gezielten Blicken und Handgriffen erkennen können. Wer diese Hinweise richtig liest, vermeidet teure Überraschungen nach dem Kauf.

Feuchtigkeit im Innenraum erkennen

Feuchtigkeit im Innenraum führt später oft zu Schimmel, muffigem Geruch oder Korrosion an Elektrik und Karosserie. Der erste Griff gehört in den Kofferraum: Heben Sie die Abdeckung des Reserverads an und prüfen Sie die Wanne auf Wasser, feuchte Flecken oder Rost. Feuchtigkeit oder Rost an dieser Stelle deutet auf einen früheren Unfall hin, bei dem Wasser durch beschädigte Dichtungen oder Karosserieteile eingedrungen ist.

Auch die Fußräume geben Hinweise. Fühlen Sie den Teppich an den Kanten und unter den Fußmatten. Ein feuchter oder verfärbter Teppich kann auf undichte Türen, eine defekte Klimaanlage oder einen Wasserschaden hinweisen. Riechen Sie an den Polstern. Ein muffiger, süßlicher Geruch entsteht oft durch Schimmel, der sich bei Feuchtigkeit bildet.

Verstopfte Lüftungsöffnungen und Abläufe erhöhen die Luftfeuchtigkeit im Fahrzeug. Wenn die Scheiben schnell beschlagen oder die Lüftung unangenehm riecht, prüfen Sie die Öffnungen am Armaturenbrett und die Abläufe unter der Windschutzscheibe. Diese Abläufe verstopfen durch Laub und Schmutz. Dann kann Regenwasser nicht abfließen und gelangt in den Innenraum.

Pflegezustand beurteilen

Der Pflegezustand zeigt, wie der Vorbesitzer mit dem Auto umgegangen ist. Ein gepflegter Innenraum deutet auf regelmäßige Wartung hin, ein vernachlässigter auf das Gegenteil. Achten Sie auf Abnutzung an den üblichen Stellen: dem Fahrersitz, dem Lenkrad, dem Schaltknauf und den Pedalen. Stark abgenutzte Polster oder ein glänzendes Lenkrad bei geringer Laufleistung passen nicht zusammen. Das sollte Sie stutzig machen.

Sie können Verschmutzungen von Abnutzung unterscheiden. Flecken auf den Sitzen oder im Teppich sind oft nur ein ästhetisches Problem, können aber auf unsachgemäße Nutzung hinweisen. Wenn jemand nasse Gegenstände auf die Sitze gelegt hat, entstehen Wasserflecken, die auf Dauer zu Schimmel führen. Prüfen Sie auch die Türinnenverkleidungen und die Mittelkonsole auf Kratzer oder Risse, die auf grobe Behandlung hindeuten.

Ein sauberer Innenraum ist kein Beweis für einen gepflegten Wagen, denn Händler reinigen Fahrzeuge vor dem Verkauf. Entscheidend sind die Details: die Abnutzung an den Bedienelementen, der Zustand der Sicherheitsgurte und die Sauberkeit der Ritzen, in denen sich Schmutz über Jahre ansammelt.

Vorschäden entdecken

Vorschäden erkennen Sie im Innenraum an mehreren Stellen. Fehlende Unterlagen über Reparaturen oder frühere Schäden sind ein Warnsignal. Wenn der Verkäufer keine Dokumente vorlegen kann, fragen Sie nach dem Grund. Ein Unfallwagen, der repariert wurde, hinterlässt oft Spuren, die sich nicht vollständig beseitigen lassen.

Achten Sie auf Farbreste an Dichtungen und Kunststoffteilen. Wenn beim Lackieren die Dichtungen oder die Kunststoffverkleidungen nicht abgeklebt wurden, finden sich dort feine Farbspritzer. Diese Overspray genannten Spuren deuten auf eine Neulackierung hin, die nach einem Unfall oder Rostschaden nötig war. Prüfen Sie besonders die Dichtungen an den Türen, der Motorhaube und dem Kofferraum.

Auch die Sitze und die Innenverkleidung geben Hinweise. Wenn die Airbags ausgelöst haben, sind die Abdeckungen am Lenkrad oder am Beifahrerplatz oft neu und passen nicht exakt. Die Sicherheitsgurte sollten sich leicht herausziehen lassen und keine Schnitt- oder Brandspuren aufweisen. Ein ausgelöster Gurtstraffer hinterlässt sichtbare Spuren am Gurt oder an der Verankerung.