Probefahrt-Checkliste
Die Probefahrt ist der wichtigste Schritt vor dem Autokauf, ob Neu- oder Gebrauchtwagen. Sie zeigt, ob das Fahrzeug zu Ihrem Fahrstil passt und ob technische Mängel bestehen. Der ADAC empfiehlt, das Auto vor Vertragsabschluss gründlich zu testen und sich vom Verkäufer nicht unter Druck setzen zu lassen. Nehmen Sie sich Zeit und fahren Sie eine Strecke mit Alltagssituationen: Stadtverkehr, Landstraße und wenn möglich eine kurze Autobahnetappe.
Mit einer strukturierten Checkliste übersehen Sie nichts. Drucken Sie die folgenden Punkte aus und haken Sie sie während der Probefahrt ab. So erkennen Sie Schwachstellen, bevor Sie Geld ausgeben.
Vor dem Start
Bevor Sie den Motor starten, prüfen Sie die Dokumente und den äußeren Zustand. Fehlende oder gefälschte Papiere sind ein häufiges Manko bei Gebrauchtwagenkäufen. Verlangen Sie den Fahrzeugschein (Zulassungsbescheinigung Teil I) und vergleichen Sie die eingetragene Fahrgestellnummer mit der im Fahrzeug eingeschlagenen Nummer. Bei einem Händler sollten Sie auch die letzte Hauptuntersuchung (HU) nachvollziehen können.
Prüfen Sie dann den äußeren Zustand systematisch:
- Lack auf unterschiedliche Farbtöne, Kratzer und Dellen untersuchen, besonders an Stoßstangen und Türen
- Spaltmaße zwischen Türen, Motorhaube und Kofferraum vergleichen, ungleichmäßige Spalten deuten auf einen Unfall hin
- Reifen auf Profiltiefe und gleichmäßigen Verschleiß kontrollieren, die gesetzliche Mindestprofiltiefe ist zu beachten
- Scheiben und Scheinwerfer auf Steinschläge und Risse prüfen
- Alle Türen, die Heckklappe und die Motorhaube öffnen und schließen, die Schließmechanismen sollten sauber einrasten
Starten Sie den Motor im kalten Zustand, bevor Sie einsteigen. Ein Kaltstart verrät mehr über den Zustand als ein warmer Motor. Achten Sie auf Startgeräusche, unregelmäßiges Leerlaufdrehen und blauen oder grauen Abgasrauch. Blauer Rauch deutet auf verbranntes Motoröl hin, weißer Rauch kann auf eine defekte Zylinderkopfdichtung hindeuten, sobald der Motor warm wird.
Im Innenraum stellen Sie Sitz, Lenkrad und Spiegel auf Ihre Körpergröße ein. Prüfen Sie, ob alle Bedienelemente erreichbar sind und ob die elektrischen Fensterheber, die Klimaanlage und das Infotainmentsystem funktionieren. Eine Probefahrt mit falsch eingestelltem Sitz verfälscht das Fahrgefühl und die Sicht auf die Instrumente.
Während der Fahrt
Beginnen Sie die Fahrt mit einer ruhigen Runde durch den Stadtverkehr. Hier merken Sie, wie gut die Kupplung greift, ob das Schaltgetriebe sauber arbeitet und ob die Lenkung leichtgängig ist. Bei einem Automatikgetriebe achten Sie auf ruckartige Schaltvorgänge und verzögertes Ansprechen.
Auf der Landstraße testen Sie dann die Beschleunigung. Treten Sie das Gaspedal voll durch und beobachten Sie, ob der Motor gleichmäßig hochdreht oder ob er ruckelt und zögert. Achten Sie auf ungewöhnliche Geräusche wie Klappern, Pfeifen oder Schleifen. Sie deuten auf Probleme im Motor, im Turbolader oder im Auspuff hin.
Die Bremsen gehören zu den kritischsten Prüfpunkten:
- Bremsen Sie auf einer geraden, freien Strecke kräftig ab, das Fahrzeug sollte ohne Ziehen geradeaus stehen bleiben
- Achten Sie auf ein Pulsieren im Bremspedal, das auf verzogene Bremsscheiben hindeutet
- Prüfen Sie die Handbremse auf einer leichten Steigung, das Fahrzeug muss sicher stehen bleiben
- Das Bremspedal sollte sich fest anfühlen und nicht bis zum Boden durchtreten lassen
Die Lenkung testen Sie bei niedriger Geschwindigkeit in engen Kurven. Ein knackendes Geräusch beim Einschlagen deutet auf verschlissene Antriebswellen hin. Auf der Geraden sollte das Fahrzeug die Spur halten, ohne dass Sie ständig gegenlenken müssen. Vibrationen im Lenkrad bei höherer Geschwindigkeit weisen auf eine Unwucht der Räder oder eine deformierte Felge hin.
Das Fahrwerk prüfen Sie auf einer schlechten Straße oder über Bodenwellen. Ein klopfendes Geräusch aus dem Bereich der Radaufhängung deutet auf defekte Stoßdämpfer oder ausgeschlagene Lager hin. Das Fahrzeug sollte Unebenheiten satt abfedern und nicht nachschaukeln.
Vergessen Sie während der Fahrt nicht die Komfortfunktionen. Schalten Sie die Klimaanlage ein und prüfen Sie, ob sie kühlt und ob unangenehme Gerüche auftreten. Testen Sie die Scheibenwischer auf allen Stufen und die Scheibenwaschanlage. Die elektrische Sitzverstellung und die Außenspiegel sollten sich ohne Ruckeln bewegen lassen.
Nach der Fahrt
Nach der Rückkehr zum Ausgangspunkt beginnt die zweite Prüfrunde. Der Motor ist jetzt warm, das erleichtert die Kontrolle. Öffnen Sie die Motorhaube und achten Sie auf Ölspuren, Kühlmittelreste oder andere Flüssigkeitsaustritte. Ein süßlicher Geruch deutet auf austretendes Kühlmittel hin, ein verbrannt riechender Geruch auf überhitzte Bauteile.
Prüfen Sie die Flüssigkeitsstände, falls das Fahrzeug über einen Ölmesstab verfügt. Der Ölstand sollte zwischen Minimum und Maximum liegen, das Öl selbst sollte nicht schwarz oder schleimig sein. Kontrollieren Sie auch den Kühlmittelstand im Ausgleichsbehälter, wenn der Motor abgekühlt ist.
Ein Blick unter das Fahrzeug lohnt sich ebenfalls. Legen Sie sich auf den Boden oder nutzen Sie eine Grube, falls der Verkäufer eine anbietet. Achten Sie auf Tropfstellen unter Motor, Getriebe und Achsen. Eine kleine Menge Kondenswasser aus der Klimaanlage ist normal, Öl- oder Bremsflüssigkeitstropfen sind ein Warnsignal.
Kontrollieren Sie nach der Fahrt auch die Bremsscheiben. Sie sollten eine glatte, gleichmäßige Oberfläche haben. Tiefe Rillen oder blau angelaufene Stellen deuten auf starke Beanspruchung oder Überhitzung hin. Fühlen Sie vorsichtig an die Felgen, eine ungewöhnlich heiße Felge kann auf eine festsitzende Bremse hindeuten.
Zum Abschluss der Probefahrt gehen Sie die Papiere noch einmal durch. Klären Sie offene Fragen zum Kilometerstand, zur Servicehistorie und zu eventuellen Unfallschäden. Lassen Sie sich nicht zu einer schnellen Entscheidung drängen. Wenn Sie Zweifel haben, fahren Sie das Fahrzeug ein zweites Mal oder holen Sie eine unabhängige Werkstatt zur Begutachtung hinzu.
Versicherung und Vertrag
Klären Sie vor der Probefahrt, wie der Versicherungsschutz geregelt ist. Bei einem Händler ist das Fahrzeug in der Regel über dessen Händlerkennzeichen versichert. Bei einem Privatverkäufer sieht die Lage anders aus: Vereinbaren Sie vor der Fahrt schriftlich, wer im Schadensfall haftet. Der ADAC bietet dafür ein Probefahrt-Formular an, das die Haftung regelt.
Beachten Sie, dass auch bei einer Vollkaskoversicherung eine Selbstbeteiligung anfällt, wenn Sie während der Probefahrt einen Unfall verursachen. Diese Kosten bleiben im Zweifel an Ihnen hängen. Klären Sie die Höhe der Selbstbeteiligung, bevor Sie losfahren, und unterschreiben Sie keine Vereinbarung, die Sie nicht vollständig verstanden haben.