Beleuchtung prüfen: Der schnelle Lichttest vor dem Autokauf
Beim Gebrauchtwagenkauf entscheidet die Beleuchtung nicht nur über die Sicht bei Nacht. Defekte Lichter gehören zu den häufigsten Gründen für das Durchfallen bei der Hauptuntersuchung; die Reparaturkosten trägt der Käufer selbst. Mit einem zehnminütigen Lichttest vor dem Kauf sehen Sie zuverlässig, ob die Beleuchtung funktioniert.
Warum die Beleuchtung beim Kauf zählt
Die Zahlen des TÜV-Verbands zeigen: Im Jahr 2026 fielen rund 21,5 Prozent aller Pkw bei der Hauptuntersuchung mit erheblichen Mängeln durch, nur 66,1 Prozent waren mängelfrei. Das ist der niedrigste Wert seit neun Jahren. Defekte Lichter gehören zu den häufigsten Ursachen für eine nicht bestandene Prüfung. Viele dieser Mängel erkennen Sie mit bloßem Auge, wenn Sie wissen, worauf Sie achten müssen.
Für den Käufer bedeutet das: Ein Auto mit kaputter Beleuchtung ist ein Sicherheitsrisiko und ein Kostenrisiko. Die nächste Hauptuntersuchung steht an, und was der Verkäufer nicht repariert hat, übernehmen Sie. Gerade bei günstigen Gebrauchtwagen sparen Verkäufer oft zuerst an der Beleuchtung.
Der Ablauf des Lichttests
Stellen Sie das Auto auf einen ebenen Platz, am besten vor eine helle Wand oder ein Garagentor. Sie brauchen keine Werkstatt und kein Spezialwerkzeug, nur ein paar Minuten Zeit und im besten Fall eine zweite Person. Wenn niemand mitkommt, funktioniert der Test auch allein: Sie schalten die Funktionen ein und prüfen die Lichtbilder an der Wand oder im Spiegelbild.
Beginnen Sie mit dem Abblendlicht. Beide Scheinwerfer müssen gleichmäßig leuchten und auf gleicher Höhe sitzen. Ein deutlich tiefer hängender oder flackernder Scheinwerfer deutet auf einen Defekt oder einen Unfallschaden hin. Schalten Sie dann das Fernlicht ein und prüfen Sie, ob beide Lampen anspringen und die Helligkeit spürbar zunimmt.
Die Blinker testen Sie links und rechts, vorne und hinten. Achten Sie auf die Blinkfrequenz: Wenn ein Blinker deutlich schneller tickt als der andere, ist meist eine Lampe ausgefallen. Das Gleiche gilt für den Warnblinker, der alle vier Blinker gleichzeitig aktiviert.
Die Bremsleuchten sind der wichtigste Punkt, weil andere Verkehrsteilnehmer auf sie angewiesen sind. Treten Sie das Bremspedal und prüfen Sie beide Rückleuchten sowie die dritte Bremsleuchte in der Heckscheibe oder am Heckdeckel. Eine helle, gleichmäßige Leuchtfläche ohne dunkle Stellen ist das Ziel.
Was Sie zusätzlich prüfen sollten
Neben der Funktion der Lampen lohnt der Blick auf den Zustand der Leuchten selbst. Wassereinlagerungen im Gehäuse, beschlagene Linsen oder vergilbte Kunststoffabdeckungen sind Warnsignale. Sie mindern die Lichtleistung und deuten darauf hin, dass die Dichtungen nicht mehr halten. Ein Scheinwerfer mit Kondenswasser wird auf Dauer nicht besser, sondern korrodiert von innen.
Bei Fahrzeugen mit LED-Scheinwerfern ist die Prüfung etwas anders. Einzelne LED-Module fallen oft nicht komplett aus, sondern verlieren an Helligkeit oder zeigen dunkle Flecken im Lichtbild. Achten Sie auf eine gleichmäßige Ausleuchtung und vergleichen Sie linken und rechten Scheinwerfer. Ein sichtbarer Unterschied ist ein Grund, genauer nachzufragen.
Prüfen Sie außerdem die Nebelscheinwerfer und die Nebelschlussleuchte, auch wenn Sie sie im Alltag selten nutzen. Beide gehören zur Serienausstattung vieler Fahrzeuge und werden bei der Hauptuntersuchung geprüft. Eine fehlende oder defekte Nebelschlussleuchte ist ein klassischer Mängelpunkt. Der ADAC bietet für die Vorbereitung eine Checkliste zur Prüfung der Lichter und Lampen, die auch die unterschiedlichen Lichtsysteme erklärt.
Wenn etwas nicht funktioniert
Ein defektes Licht ist kein Grund, das Auto sofort abzulehnen, aber ein Grund, den Preis zu verhandeln. Eine Glühlampe kostet wenige Euro und ist in vielen Fällen selbst getauscht. Aufwendiger wird es bei LED-Modulen, die oft nur als komplettes Bauteil ersetzt werden können, oder bei beschädigten Scheinwerfergehäusen nach einem Unfall.
Fragen Sie den Verkäufer, warum die Lampe defekt ist und ob er den Defekt kannte. Ein ehrlicher Verkäufer nennt den Grund, ein unvorbereiteter reagiert ausweichend. Der Zustand der Beleuchtung sagt damit auch etwas über die Pflege des gesamten Fahrzeugs aus.
Beachten Sie dabei eine Grenze des Lichttests: Drei der zehn typischen Mängel beim Gebrauchtwagenkauf sind mit bloßem Auge nicht erkennbar. Offene Rückrufe beim Kraftfahrt-Bundesamt, eine manipulierte Kilometeranzeige und eine verschwiegene Schadenhistorie lassen sich nicht durch Hinschauen feststellen. Dafür brauchen Sie eine Abfrage über die Fahrzeugidentifizierungsnummer und im Zweifel einen unabhängigen Gutachter.