Autokauf für Vielfahrer: Welcher Antrieb spart am meisten?
Wer eine hohe Jahresfahrleistung hat, sollte die Kosten pro Kilometer rechnen, nicht den Kaufpreis. Die laufenden Ausgaben für Energie, Wartung, Steuern und Versicherung entscheiden, welcher Antrieb am günstigsten ist. Der ADAC sagt: Entscheidend sind die Gesamtkosten über die Nutzungsdauer, nicht der Anschaffungspreis. Elektroautos gleichen ihren anfänglichen Preisnachteil gegenüber Verbrennern durch günstigere Energiekosten, niedrigere Wartungskosten und Steuervorteile aus. Das gilt umso mehr, je mehr Kilometer gefahren werden.
Das gilt aber nicht für jeden. Die vorhandenen Kostenvergleiche beziehen sich auf durchschnittliche Fahrleistungen und sagen nicht, ab welcher Kilometerzahl welcher Antrieb vorn liegt. Rechnen Sie daher selbst mit Ihren konkreten Werten für Strom- und Kraftstoffpreise, Lademöglichkeiten und Wartungskosten.
Diese Kosten zählen
Die Gesamtkosten über die Nutzungsdauer, auch Total Cost of Ownership genannt, setzen sich aus mehreren Posten zusammen. Neben dem Kaufpreis zählen der Verbrauch, die Kfz-Steuer, die Versicherung, Wartung und Reparaturen sowie der Wertverlust, also der Preisunterschied zwischen Kauf und späterem Verkauf. Hinzu kommen bei Elektroautos die Kosten für die Ladeinfrastruktur, also die Wallbox zu Hause oder die Ladepreise unterwegs, sowie mögliche Förderungen und Steuervergünstigungen.
Bei Vielfahrern zählen andere Posten stärker. Kosten, die pro Kilometer anfallen, wie Energie und Wartung, machen bei hohen Jahresfahrleistungen einen deutlich größeren Anteil aus als bei einem Fahrzeug mit geringer Fahrleistung. Ein günstiger Kaufpreis nützt wenig, wenn jedes gefahrene Kilometer teuer ist.
Warum hohe Fahrleistung die Rechnung verändert
Bei hoher Jahresfahrleistung dominieren die Kosten pro Kilometer. Ein Elektroauto hat hier gleich mehrere Vorteile. Die Energiekosten pro Kilometer liegen bei Strom aus der eigenen Wallbox in der Regel deutlich unter den Kraftstoffkosten eines Verbrenners. Auch die Wartung fällt günstiger aus, weil Elektromotoren weniger Verschleißteile haben als Verbrennungsmotoren. Ölwechsel, Zündkerzen oder Abgasuntersuchungen entfallen, die Bremsen werden durch Rekuperation geschont.
Der Plug-in-Hybrid liegt zwischen beiden. Er spart nur dann Geld, wenn Sie tatsächlich einen großen Teil der Strecken rein elektrisch fahren. Wer als Vielfahrer überwiegend lange Strecken mit leerer Batterie zurücklegt, schleppt das zusätzliche Gewicht der Elektrokomponenten mit und verbraucht mehr als ein vergleichbarer Benziner oder Diesel. Für Pendler mit kurzer Strecke und gelegentlichen Langstrecken kann er sinnvoll sein, für reine Langstreckenfahrer meist nicht.
Der Vergleich: Elektro, Diesel, Benzin
Beim Diesel liegen die Kilometerkosten traditionell unter denen eines Benziners, weil der Motor effizienter arbeitet und der Kraftstoff pro Kilometer weniger kostet. Das machte den Diesel lange zur ersten Wahl für Vielfahrer. Allerdings steigen die Kosten durch die CO2-Bepreisung auf Kraftstoffe und durch mögliche Fahrverbote in Innenstädten. Ob der Dieselvorteil bei Ihrer Fahrleistung noch trägt, hängt vom Verbrauch, vom Dieselpreis und davon ab, ob Sie innerstädtische Zonen mit Einschränkungen befahren.
Das Elektroauto hat die niedrigsten Energiekosten pro Kilometer, wenn Sie zu Hause oder am Arbeitsplatz günstig laden können. Wer ausschließlich an öffentlichen Schnellladern lädt, zahlt deutlich mehr und verliert einen großen Teil des Kostenvorteils. Dazu kommen die höhere Anschaffung und der unsichere Wertverlust. Der ADAC weist darauf hin, dass der Wertverlust bei jedem Antrieb eine Rolle spielt, die genaue Höhe bei hohen Laufleistungen lässt sich aber nicht pauschal angeben.
Für Ihre Entscheidung heißt das: Rechnen Sie mit Ihrer eigenen Kilometerzahl und realistischen Preisen durch. Nehmen Sie den Strompreis, den Sie tatsächlich zahlen, also den Haushaltsstrompreis für die Wallbox oder den Schnellladepreis unterwegs. Nehmen Sie den Diesel- oder Benzinpreis an Ihrer üblichen Tankstelle und den realen Verbrauch, nicht den Werkswert. Berücksichtigen Sie die Wartungsintervalle: Ein Verbrenner braucht regelmäßig Ölwechsel und Verschleißteile, ein Elektroauto vor allem Reifen, die bei hoher Fahrleistung schneller verschleißen.
Was Sie vor dem Kauf rechnen sollten
Eine einfache Rechnung zeigt die Richtung. Teilen Sie die jährlichen Energiekosten durch Ihre Jahresfahrleistung, dann erhalten Sie die Kosten pro Kilometer. Vergleichen Sie diesen Wert für die Antriebe, die Sie in Betracht ziehen. Addieren Sie die jährlichen Kosten für Steuer, Versicherung und Wartung. Den Wertverlust können Sie nur schätzen, aber Sie sollten ihn nicht weglassen, weil er bei Neuwagen den größten Einzelposten darstellt.
Ein realistisches Beispiel: Wer eine hohe Jahresfahrleistung hat und zu Hause zu einem normalen Haushaltsstrompreis lädt, hat beim Elektroauto niedrigere Kilometerkosten als beim Diesel, sofern der Dieselpreis nicht außergewöhnlich günstig ist. Wer dagegen keine eigene Lademöglichkeit hat und auf öffentliche Schnelllader angewiesen ist, kann den Kostenvorteil verlieren. In diesem Fall kann ein sparsamer Diesel trotz steigender CO2-Abgaben die günstigere Wahl sein.
Prüfen Sie außerdem die Förderung. Elektroautos erhalten in Deutschland Steuervorteile, die private Halter über die Kfz-Steuer-Befreiung nutzen können. Auch die THG-Quote, also der Handel mit Treibhausgasminderungsquoten, bringt Elektroautobesitzern eine jährliche Zahlung, die den Strompreis teilweise ausgleicht. Diese Posten gehören in Ihre Rechnung, weil sie die laufenden Kosten spürbar senken.