Alltagstest vor dem Autokauf: Passt der Wagen?
Ob ein Auto zu Ihrem Alltag passt, merken Sie, wenn Sie es benutzen. Das Datenblatt verrät nicht, ob der Einstieg bequem ist, ob der Kindersitz auf die Rückbank passt oder ob Einkaufskisten in den Kofferraum kommen. Ein hoher Literwert hilft nicht, wenn die Ladekante zu hoch liegt. Eine große Fahrzeughöhe nützt nichts, wenn Sie beim Einstieg den Kopf einziehen. Deshalb lohnt sich vor dem Kauf ein Praxistest mit eigenen Gegenständen, Mitfahrern und Wegen.
Dafür reichen Dinge, die Sie später ohnehin mitnehmen: Kindersitz, Kinderwagen, Einkaufstüten, Sporttaschen, Umzugskartons. Planen Sie Zeit ein, am besten während der Probefahrt.
Platz und Sitzposition
Stellen Sie zuerst die Sitzposition ein. Verstellen Sie Sitz, Lenkrad und Spiegel so, wie Sie es für eine längere Fahrt tun würden. Prüfen Sie dann drei Punkte: Ihr Kopf sollte auch bei höchster Sitzhöhe genug Abstand zum Dach haben, Ihre Beine eine entspannte Haltung finden und Ihre Füße die Pedale ohne Verrenken erreichen.
Wenn Sie regelmäßig Mitfahrer transportieren, setzen Sie sich danach auf die Rückbank und prüfen Sie den Platz selbst. Familien mit Kindern probieren den Kindersitz auf jedem Außenplatz und in der Mitte aus. Entscheidend ist dabei, ob sich der Sitz fest arretieren lässt und ob der Vordersitz davor für eine erwachsene Person nutzbar bleibt. Ein Fahrzeug, das vom Fahrersitz bequem wirkt, kann hinten mit Kindersitz schnell zu eng werden.
Einstieg und Türöffnung
Der Einstieg fällt bei der kurzen Probefahrt oft unter den Tisch, obwohl er im Alltag täglich zählt. Steigen Sie deshalb mehrmals ein und aus, auf der Fahrer- und auf der Beifahrerseite. Achten Sie auf die Weite der Türöffnung und darauf, ob die Kante in Hüfthöhe bequem zu überwinden ist. Familien mit kleinen Kindern und ältere Mitfahrer brauchen Türen, die weit schwingen und keine zu hohe Kante bilden.
Wer oft in engen Lücken parkt, sollte den Einstieg auch mit wenig seitlichem Raum testen. Stellen Sie das Auto dicht an eine Wand oder ein anderes Fahrzeug und prüfen Sie, ob die Tür noch so weit öffnet, dass Sie aussteigen können. Auch der Spalt zur Rückbank verdient einen eigenen Versuch: Klappen Sie den Vordersitz vor, wie Sie es beim Einsteigen von Kindern tun würden, und prüfen Sie, ob der Weg bequem bleibt.
Ablagen realistisch testen
Ablagen testen Sie am besten mit Ihren eigenen Dingen. Nehmen Sie Handy, Geldbörse, Schlüssel, Sonnenbrille, Trinkflasche und einen Ordner mit und verstauen Sie jeden Gegenstand dort, wo Sie ihn im Alltag unterbringen möchten. Prüfen Sie dabei, ob das Fach wirklich aufnimmt, was hinein soll: Türfächer sind oft schmal, Brillenfächer hinter der Sonnenblende sitzen manchmal höher als gedacht, und die Mittelkonsole bietet nicht immer Platz für große Handys.
Wichtig ist auch der Zugriff während der Fahrt. Sie sollten die wichtigsten Dinge erreichen, ohne den Blick längere Zeit von der Straße zu nehmen. Ein Fach, das nur bei geöffneter Tür gut erreichbar ist, hilft im Alltag wenig.
Kofferraum mit echten Lasten
Die Litreangabe sagt wenig darüber, wie sich der Kofferraum im Alltag nutzen lässt. Packen Sie Ihre echten Lasten hinein: Einkaufskisten, Kinderwagen, Sporttaschen, Koffer oder Umzugskartons. Ein Kinderwagen muss nicht nur hineinpassen, sondern sich auch ohne Verrenken ein- und ausladen lassen. Prüfen Sie die Höhe der Ladekante: Wer regelmäßig schwere Einkäufe hebt, merkt nach wenigen Versuchen, ob diese Höhe Rücken und Schultern belastet. Eine tiefe, durchgehende Kante erleichtert das Beladen deutlich.
Die Form des Laderaums bestimmt auch, wie viel wirklich hineinpasst. Ein gerader Kofferraum nimmt Kartons besser auf als ein kurzer Raum unter einer schrägen Heckscheibe, auch wenn beide ähnliche Literwerte nennen. Wenn Sie lange Gegenstände wie Möbel oder Fahrräder transportieren, klappen Sie die Rücksitze um und prüfen Sie, ob die Durchladeöffnung breit und eben genug ist.
Alltagswege testen
Sammeln Sie die Fahrten, die Sie tatsächlich regelmäßig machen, und testen Sie das Auto an diesen Wegen. Wer täglich in der Stadt parkt, sollte das Fahrzeug in eine enge Lücke setzen und prüfen, ob Einparkhilfe, Kamera und Wendekreis wirklich helfen. Wer viele Autobahnkilometer fährt, achtet bei der Fahrt auf Sitzkomfort und Geräuschentwicklung bei höherem Tempo.
Haushalte mit Kindern testen den Einstieg mit Kindersitz und Kinderwagen, Hundebesitzer prüfen, ob der Hund sicher transportiert werden kann. Wer einen Anhänger ziehen möchte, klärt vorher, ob die Anhängerkupplung vorhanden und die Stützlast zum Anhänger passt. Eine volle Testfahrt mit beladenem Anhänger bleibt vor dem Kauf meist ein Sonderfall.
Die Probefahrt planen
Machen Sie aus der Probefahrt einen Praxistermin. Bringen Sie Ihre Gegenstände mit, laden Sie die Familienmitglieder ein, die später mitfahren, und wählen Sie eine Route, die Ihrem Alltag entspricht. Eine Runde nur durch den Innenstadtverkehr verrät wenig über Langstreckenkomfort, eine reine Autobahnfahrt nichts über das Parken in engen Lücken.
Der ADAC rät bei Gebrauchtwagen, das Fahrzeug vor der Unterschrift zu besichtigen, eine Probefahrt zu machen und sich nicht unter Druck setzen zu lassen. Nehmen Sie sich diese Zeit und lassen Sie sich von einem Verkäufer nicht zu schneller Entscheidung drängen. Testen Sie das Auto am besten so, wie Sie es später nutzen, dann zeigt sich, ob es zu Ihnen passt.